Rund um das Fansein

Eine Art mit Seltenheit: Der differenziert-denkende Fan

Fans suchen immer häufiger die direkte Konfrontation, anstatt eine sachliche Diskussion anzustreben. Ist es inzwischen unmöglich bei all den Emotionen um den Verein, den Erfolg und Misserfolg die wirkliche Mitte zu finden? Es fehlt gar nicht viel, um das Miteinander fairer und angenehmer zu gestalten.

Die Pfiffe während der zweiten Halbzeit beim Heimspiel gegen den Hamburger SV wurden ausführlich diskutiert. Dabei wurden Meinungen ausgetauscht, die zum Teil weit auseinander gingen. Es war eine große Herausforderung die passenden Worte zu finden, um möglichst differenziert auf die Pfiffe einzugehen. Emotionen spielten in diesem Fall auch eine Rolle, und mussten einkalkuliert werden. Mit den Emotionen flog auch schwere Kritik in Richtung des Sportdirektors, der immerhin einige mit seiner Brandrede angegriffen hatte. Dabei nehmen sich beide Seiten wenig, und doch wird irgendwie deutlich, dass alles für diesen Verein brennen. Dennoch sollte angestrebt werden bei Diskussionen möglichst sachlich zu bleiben, das gilt für alle.

Alle Fans sind angesprochen

Die Frage, die sich seit je her stellt: ist ein Fan überhaupt in der Lage differenziert in Bezug auf den Verein und die Leistung der Verantwortlichen zu blicken? Die Ultras sind jedenfalls ein passendes Beispiel für eine mangelnde Differenzierungsfähigkeit. Sie bereiten Choreographien vor, entwickeln neue Liedtexte und setzen sich für die Fans ein. Andererseits verursachen sie mit ihrem Festhalten an Traditionen und dem Ablehnen von Kommerz immer häufiger Reibungspunkte. Es wird mit Spruchbändern provoziert, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Dabei wird in Kauf genommen, dass der Borussia eine hohe Geldstrafe auferlegt wird. Sie brennen für den Verein, bereiten ihm aber auch immer wieder Schmerzen.

Es wäre jetzt falsch nur die Ultras anzusprechen, es darf sich jeder angesprochen fühlen. Auch bei Meinungsaustauschen mit Freunden, in Foren oder via Whatsapp wird häufig deutlich wie verhärtet die Fronten sind. Der eine kann den Trainer nicht leiden, der nächste verteidigt ihn als wäre er der Heilige Gral. Kompromisse werden gar nicht erst gesucht, viel mehr wird versucht die eigene Meinung durchzudrücken. Es ensteht quasi ein Kampf, ein Kampf um eine Meinung, die meist gar nicht mit Fakten belegt werden kann. Interna werden bei der Borussia äußerst selten in die Öffentlichkeit getragen. Im aktuellen Fohlenpodcast spricht Max Eberl jedoch offen über die vergangene Entscheidungen.

Die Auflösung

In den letzten Monaten wurde immer wieder darüber gerätselt wieso Nico Schulz abgegeben wurde. Die Planungen des Vereins ließen gar nicht ausreichend Spielpraxis für den Ex-Herthaner zu. Oscar Wendt als ähnlicher Spielertyp, Fabian Johnson und Mamadou Doucouré sollten für zwei Wettbewerbe ausreichen. Dazu war die finanzielle Situation so, dass Spieler abgegeben werden musste, um beispielsweise einen Denis Zakaria an den Niederrhein zu holen. Außerdem löste er die Mär auf, dass er Luuk de Jong im Alleingang zur Borussia geholt hatte. Lucien Favre war damals wütend darüber, dass es mit einem gewissen Junior Hoilett nicht geklappt hatte. Es fehlte an Tempo, um einen Mittelstürmer entsprechend in Szene zu setzen.

Die Ausführungen von Max Eberl zeigen, dass es für einen Außenstehenden gar nicht möglich war perfekt zu argumentieren. Es fehlten schlicht Parameter, die hätten berücksichtigt werden müssen. Das wird auch in den jetzigen Diskussionen der Fall sein. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern dazwischen auch sehr viel Grau. Es sollte immer die Bestrebung geben ein faires Miteinander zu fördern, als die direkte Konfrontation zu suchen. Denn letzten Endes eint Fans immer eines: sie wollen den Erfolg des Vereins, in diesem Fall der Borussia. Nur sollte auch die Bereitschaft bestehen aufeinander zuzugehen, und darüber nachzudenken wie u.a. Pfiffe, Wörter, Spruchbänder wirken können.

 

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