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Die ewige Suche nach der Konstanz

Nach einem erneut schwachen Auftritt vor heimischen Publikum verfestigt sich der Eindruck, dass die Borussia unter einer Heimschwäche leidet. Bereits beim letzten Heimspiel kassierte die Fohlenelf die höchste Niederlage im Borussia Park überhaupt. Auch das Unentschieden gegen Mainz 05 war durchaus glücklich. Mit Dieter Hecking auf der Trainerbank konnte die Borussia gerade einmal sechs Siege in 17 Heimspielen einfahren. Die Suche nach der Konstanz hält an.

André Schubert hatte damals mit einer eklatanten Auswärts-Misere zu kämpfen. Auf Euphorie in den Heimspielen folgte Ernüchterung in der Fremde. Bei Dieter Hecking tritt exakt der umgekehrte Fall ein. Im eigenen Stadion offenbart die Mannschaft immer wieder Schwächen im Spielaufbau, vor allem wenn der Gegenüber früh attackiert und Fehlpässe provoziert. In diesen Momenten erscheint der Trainer planlos, er versucht gar nicht erst auf seine Spieler einzuwirken. Meist wird erst zur Halbzeit reagiert, auch gegen Mainz. Christoph Kramer kam für Tony Jantschke in die Partie, auch die Außenverteidiger sollten offensiver auftreten. Das veränderte das Spiel nicht grundlegend. Torgefahr wurde kaum entwickelt. Das belegen die insgesamt neun Torschüsse in 90 Minuten.

Konstanz wird zum Fremdwort

Der 0:1-Rückstand hätte bis zur Halbzeitpause wesentlich härter bestraft werden können. Ein Tor der Mainzer wurde durch den Video-Assistenten zurückgenommen, und über einen Platzverweis für Lars Stindl hätte sich niemand beschweren dürfen. Erneut zeigte die Elf vom Niederrhein zwei unterschiedliche Gesichter, zumindest 25 Minuten der zweiten Hälfte ein besseres. Nach dem Ausgleich durch Jannik Vestergaard verfiel die Borussia erneut in eine Art Lethargie. Das Team von Sandro Schwarz kam einige Male wieder gefährlich vor das Tor von Yann Sommer. Die Latte rettete nach einem Freistoß von Daniel Brosinski, wie schon vor Wochen bei einer Direktabnahme von Martin Harnik.

Der Borussia fehlt nach wie vor die Konstanz. Diesen Vorwurf muss sich Dieter Hecking gefallen lassen, auch wenn er dem vehement widerspricht. Seit dem Last-Minute-Sieg über Hannover 96 soll die Mannschaft seiner Ansicht nach stabil aufgetreten sein, ausgenommen in der zweiten Hälfte gegen Bayer Leverkusen. Dem konnte bis zum Abpfiff der glücklichen Punkteteilung mit den Mainzern zugestimmt werden. Nach einer derart wiederholt schwachen Leistung vor heimischen Publikum verbietet es sich jedoch, das Wort „Konstanz“ in den Mund zu nehmen. Denn immer wieder offenbart die Fohlenelf Probleme beim Verteidigen, besonders über die Flügel, bei intensivem Pressing und der Konterabsicherung. Dies war auch wieder über weite Strecken gegen Mainz zu sehen.

Tabelle beschönigt die Situation

Dieter Hecking hält an seinem 4-4-2 fest, und bringt keine weitere taktischen Pläne mit. Er setzt auf die Klasse der Einzelspieler, die das Spiel in eine bestimmte Richtung lenken können. Mit Denis Zakaria, Michael Cuisance und Christoph Kramer ist das Qualität im Spielaufbau besonders hoch. Auch um die flexible Offensive wird die Borussia von den meisten Bundesliga-Teams beneidet. Zudem muss der Einsatz aller auf dem Platz stimmen, eine Grundtugend. Die Gladbacher laufen im Durchschnitt mehr als 90 Prozent aller Bundesligavereine. Daher lässt sich wahrscheinlich die angesprochene Belastung der Mannschaft durch Otto Addo erklären. Ballbesitz, Laufbereitschaft, Einzelleistungen sichern demnach den aktuellen Erfolg.

Die Borussia wird nach dem 11. Spieltag auf dem achten Tabellenplatz stehen, bei zwei Punkten auf Platz 3 und zwei Punkten auf Platz 10 (Stand 5. November, 17:30 Uhr). Ein Punkteschnitt von 1,6 unter Dieter Hecking ist daher genauso wenig ein Qualitätsmerkmal, wie die aktuelle Platzierung. Acht Trainer erreichen aktuell einen ähnlichen Punkteschnitt. Das was auf dem Platz zu sehen ist, wird von der Tabelle in gewisser Weise beschönigt. Die Mannschaft ist nach elf Spieltagen immer noch nicht in der Spur, man denke an Stabilität und Konstanz. So langsam wirken die Statements der Verantwortliche nur noch wie Durchhalteparolen. Ein Trainer soll nicht nur den Status Quo wahren, sondern das Team erfolgreich weiterentwickeln. Bei Letzterem bleiben berechtigte Zweifel.

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