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Ein „weiter so“ wäre ein „ins offene Verderben rennen“

Dieter Hecking kann nach der Niederlage in Leverkusen nicht einfach so weitermachen. Die vielen Ausfälle erklären sicher einiges, aber nicht alles. Der Trainer hat auch die Aufgabe mit einer derart schwierigen Situation richtig umzugehen: Borussia steht in der Rückrundentabelle auf dem Relegationsplatz. Er braucht Argumente, denn ohne ein entsprechendes Ergebnis könnte sein Stuhl im Sommer ganz gewaltig wackeln.

Die Borussia ist im grauen Mittelmaß angekommen. Das Ergebnis eines lange schleichenden Prozesses über mehrere Monate, seit dem Sieg über den FC Bayern München. Die frühe Phase der Saison war von Inkonstanz geprägt, mit zwei ordentlichen Dämpfern in Dortmund und gegen Bayer Leverkusen, darauf folgte eine schwächere Phase zum Ende der Hinrunde, die dann zu einer handfesten Krise in der Rückrunde mutierte. Die wahrscheinliche Hauptursache für die Talfahrt: die mangelnde Torgefahr, bzw. unzureichende Effizienz im Torabschluss. In gerade einmal drei Partien traf die Borussia in dieser Spielzeit mehr als zwei Mal. Ausfälle von Leistungsträgern spielen sicher auch hinein.  Die Offensive schwächelte bereits unter André Schubert als das kreative Trio aus Hazard, Traoré und Raffael wegbrach.

Keine Situation aus dem Nichts

Die Krise bahnte sich also allmählich an, was zumindest nach außen hin nie zu Panik führte. Der Verein strahlte stets Ruhe und Gelassenheit nach außen hin aus, sodass manch einer die Befürchtung hatte, die Borussia würde die Situation verkennen. Immerhin wurden bereits in der Hinrunde mehrfach kritische Fragen abgewiegelt, beispielsweise nach der Klatsche in Dortmund. Die Mannschaft mache eine Entwicklung durch, und sie zeige selbst bei Niederlagen hervorzuhebende Aspekte. Das Gesamtergebnis der Hinrunde war äußerst zufriedenstellend: Platz 6 mit 28 Punkten – mit Kurs auf Europa! So konnte selbst in der kurzen Winterpause in Ruhe weitergearbeitet werden. Diese Entwicklung sollte sich nach Wunsch von Max Eberl in der Rückrunde fortsetzen. Mit mindestens 25 Punkten, und gelösten Problemen wie der Abschlussschwäche.

Diese Vorgaben zu erfüllen, davon ist die Borussia derzeit meilenweit entfernt. Innerhalb weniger Wochen wurde die Welt um den Borussia Park immer grauer, wie in der deutschen Netflix-Serie Dark. Der Verein steckt im Mittelmaß, und in Verbindung mit den zahlreichen Verletzten, formschwachen Spielern, und einer schwer erkennbaren und funktionierenden Spielkultur, ist es auch nur noch schwer vorstellbar, dass der Trend noch umgekehrt werden kann. Dieser zeigt in de Rückrunde deutlich nach unten: sieben Punkte aus neun Spielen. Das bedeutet Platz 16, nur der VfL Wolfsburg und der Hamburger SV haben schlechter gepunktet. Europa ist nahezu unerreichbar geworden, und auch ein Abrutschen in den Abstiegskampf erscheint äußerst unwahrscheinlich. Die Saison kann daher schon abgehakt werden.

Kein weiter so!

Dieter Hecking muss derweil beweisen, dass der mit der Verletzten-Situation umgehen kann. Es in den letzten Tagen so hervorzuheben, sich deutlich in Interviews unter der Woche und in der Pressekonferenz über die vielen Ausfälle zu beklagen, wirkte fast wie die vorgezogene Erklärung für kommende Niederlagen. Dabei kann es doch jeder nachvollziehen, dass ihm die Optionen fehlen und die Trainingsqualität leidet. In diesem Fall wird ihm auch niemand einen Vorwurf machen. Seine Erfahrung aus etlichen Jahren als Trainer sollte ihm jedoch helfen entsprechend auf diese Situation zu reagieren. Ein Plan B muss her, denn ein „weiter so“ wäre nur ein „ins offene Verderben rennen“. Es fehlt das entsprechende Personal, um das spielen zu lassen, was er sich seit Beginn der Saison vorgenommen hat. Mit der Bilanz eines Absteigers die Rückrunde zu beenden, das sollte er vermeiden. Im Sommer hätte er dann nur noch wenige Argumente für sich, wenn bei der Borussia alles auf den Prüfstand gestellt wird.

 

4 Kommentare

  1. Bernd Nießen

    Guter und Sachlicher Bericht. 2 Punkte möchte ich hinzufügen.
    1.) Mir fehlt die Entwicklung der Spieler und der Mannschaft.
    2.) Für was steht die Mannschaft von Dieter Hecking? Eine
    Spielphilosophie ist für mich nicht erkennbar.
    Ein Austausch des Übungsleiters ist zum Saisonende unvermeidbar.

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  2. Dodore 46

    Nicht nur der Übungsleiter ,
    auch der : Wo wir herkommen Null Risiko Manager ,
    ist längst …….. überfüllig 😉 . Qua Vadis Borussen !

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  3. Michael D.

    Moin,
    ich stimme Herrn Nießens Kommentar zu!
    Hinzu kommen diese unsäglichen „Muskelverletzungen“ meist im Training.
    Man hat weniger Spiele als in den letzten Jahren,also weniger Belastung,aber erheblich mehr muskuläre Verletzungen! Falsches Training?? Fakt ist dass man
    unter den Athletiktrainern Weigl(2007-2015) ab da in Hoffenheim(ja lange Zeit)
    und Klaus Luisser(2015-1.7.2016) in der Summe viel weniger Muskelprobleme
    hatten.Ich spreche ausdrücklich nicht von Kreuzband-Fußbrüchen-oder anderen
    Verletzungen,daß kann und wird immer mal passieren.Vielleicht kann mal jemand
    vor Ort (Trainingseindrücke..) da mal nachhaken.
    BG aus dem hohen Norden…
    PS:…ach ja..H.Luisser ist seit 1.7.2016 Athletiktrainer von Eintracht Frankwurt…
    :-)) !

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  4. Michael Kandel

    Eigentlich ist der Abwärtstrend schon seit dem unsäglichen Ausscheiden gegen Schalke in der Euro Liga und gegen Frankfurt im DFB-Pokal erkennbar. Seit einem Jahr geht kaum etwas, wenn es darum geht den entscheidenden Schritt nach vorn zu gehen. Statt dessen immer mehr Rückschritt, zurück entwickeln. Die letzten Funken Favre sind allmählich verglimmt.
    Ich kann Hecking schwer einschätzen. Aber eine Entwicklung sehe ich nicht. Ich habe schon ewig keine Saison mehr erlebt, in der ich nicht mit Freude ins Stadion gehe, sondern lustlos, weil enttäuscht werden so absehbar ist. Die letzte große überwältigende Überraschung war Florenz.
    Trainingssteuerung, Spielkonzept oder Idee, Ausstrahlung der Mannschaft irgendwie stimmt alles nicht mehr so recht. Bin nur noch froh, wenn diese Saison vorbei ist.

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