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Eine Antwort des Charakters

Mit dem schweren Start in Darmstadt war man mit einer kämpferischen und unkonventionellen Spielweise konfrontiert worden. Das Unentschieden in der Fremde war allerhöchstens ein Hoffnungsschimmer, kein Indiz auf eine Aufholjagd in der Liga. In Leverkusen traf man auf eine gänzlich andere Mannschaft, wenn man so will das genaue Gegenteil vom SV Darmstadt. Nach dem 0:2-Rückstand hatten sich die Fohlen trotz einer engagierten Leistung in Bedrängnis gebracht. Nach der Halbzeitpause überzeugten sie mit dem richtigen Charakter. Mit konsequenten Zweikämpfen belohnte sich die Borussia schließlich mit drei Toren zum verdienten Auswärtssieg.

Dieter Hecking hatte nicht viel Zeit, um die richtigen Ansätze zu finden. Nach vielen Einzelgesprächen und dem Trainingslager in Marbella konnte er erste Eindrücke sammeln. Der Charakter der Mannschaft stand wiederholt zur Debatte. Laut dem Trainer seien die Spieler etwas zu brav. Es fehle an Reibereien, so der leichte Vorwurf von Hecking. Ein Sinnbild für die letzten Darbietungen unter André Schubert, wo man die notwendige Härte im Spiel vermissen ließ. Nach zwei gespielten Partien muss man feststellen, dass die Aggressivität vorhanden ist – sie musste nur geweckt werden. Kampf und Leidenschaft, die Grundtugenden des Fußballs sind zurückgekehrt.

Wandel in der Defensive

Es ist eine stabilere Defensive zu erkennen, trotz der beiden Gegentore nach Ecken. Im Spielverlauf steht die Abwehrreihe nicht mehr derartig unter Druck, weil sich das Mittelfeld nicht mehr ohne Gegenwehr überspielen lässt. Ein Grund: Kramer hat sich unter dem neuen Trainer gewandelt. Der Weltmeister glänzt längst nicht mehr nur mit seiner intensiven Laufarbeit, sondern sucht auch die Zweikämpfe. Dahoud hat sich im Vergleich zum Spiel vor einer Woche deutlich steigern können und bracht eine ähnliche Top-Leistung auf den Platz. Der ballführende Gegenspieler kam meist gar nicht erst in das letzte Drittel, weil schon vorher die Räume eng gemacht wurden. In gemeinsamer Arbeit wurden die Bälle erobert.

Die grundlegende Einstellung zum Spiel hat sich gewandelt. Es wird längst nicht mehr nur im Raum verteidigt, sondern der direkte Kontakt zum Gegenspieler gesucht. Ein unglücklicher Ballverlust? Ein Mitspieler ist zur Stelle, um den Ball zurückzuerobern! Der Kampf um den Ball wird nicht mehr aufgeben, jedoch ohne die Grundordnung im eigenen Spiel aufzugeben. Das Konzept ging auf, denn Bayer Leverkusen war nur bei Ecken gefährlich geworden. Zwei Ecken reichten jedoch aus, um gleich zwei Gegentore zu bekommen. Mit einem cleveren Verhalten wären diese auch vermeidbar gewesen. Hier stehen noch einige notwendige Trainingseinheiten an.

Die Belohnung für die Arbeit

Die zentralen Figuren für den Erfolg in Leverkusen waren Kramer und Dahoud. Stindl war vor allem in der zweiten Hälfte mit seiner Körpersprache aufgefallen. Mit einem ungeheuren Willen erzwang er den Anschlusstreffer, indem er sich im Zweikampf gegen Tah durchsetzte. Der Kapitän schien mit diesem Tor die verborgenen Kräfte der Mitspieler geweckt zu haben. Neben der ordentlichen Leistung war nun auch eine Eigenschaft zu erkennen, die nicht antrainiert werden kann. Das mag etwas romantisch klingen, aber den Willen den Sieg zu erzwingen und sich und die Fans zu belohnen, hat dieses gewisse Feuer entfacht. Alleine das seltene Phänomen ein Kopfballtor nach einer Flanke erleben zu dürfen, spricht für sich.

Der Siegtreffer durch Raffael wurde durch den beherzten Einsatz von Kramer und Dahoud erzwungen. Bislang war es in knapp 2,5 Jahren kaum einen aufgefallen, dass Kramer auch als feiner Vorlagengeber auftreten kann – man kam aus dem Staunen gar nicht heraus. Bei all dem Augenreiben muss man auch Hofmann erwähnen, der bis zuletzt eine Randfigur war und kaum erahnen ließ wie er vor seinem Wechsel zur Borussia auf 40 Einsätze in der Bundesliga kam. Er belebt die rechte Seite mit klugen Pässen, Läufen und seinem Einsatz gegen den Ball. Vielleicht liegt ihm das unkomplizierte, direkte Spiel einfach mehr.

Charakter gezeigt

Keine Frage, die individuellen Fehler nach den Ecken müssen abgestellt werden. Dennoch erkennt man eine stabile Defensive, die weiß wie man den Gegner vom Tor fernhalten muss. Auf das aggressive Pressing von Bayer Leverkusen musste auch erst mal die richtige Antwort gefunden werden. Stichwort „richtige Antwort“: Nach der Halbzeitpause wurde so reagiert wie es sich jeder Anhänger vorstellt: mit Kampf und Leidenschaft. Die Kritik der letzten Wochen und Monate ist erst einmal verstummt, die Frage des Charakters wurde beantwortet. Die Reaktion hat schon imponiert. Die Aufholjagd in Leverkusen sollte allen Rückenwind für die kommenden Aufgaben geben.

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