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Trainer raus?! Wenn es nur so einfach wäre. – Eine Analyse

Mit dem 2:1-Heimsieg über den FC Bayern München nimmt alles seinen Anfang. Der Sieg wurde schwer erkämpft, und auch mit ein wenig Glück verdient eingefahren. Das was eine Initialzündung für eine Siegesserie sein könnte, wurde zu einer schwierigen Situation, so sagt es Dieter Hecking selbst. Er vermeidet bewusst das Wort mit dem „K“. Der Trainer kann es nennen wie er möchte, aber die zahlreichen kleineren Probleme, die im Laufe der Saison zusammenkamen, sind jetzt zu einem großen geworden.

Da darf schon von einer Krise gesprochen werden, denn für Presse und Fans ist sie längst da. Die fehlende Durchschlagskraft, etliche Verletzungen, fehlendes Spielglück, formschwache Spieler, eine konservative Transferpolitik, und mehr sind Bestandteil der kritischen Töne. Es wird nun unangenehm, und das sollte auch nicht mehr wegdiskutiert oder schön geredet werden. Es gibt nicht die eine einfache Lösung, und die darf es auch nicht geben. Eine Trainerentlassung würde nämlich nicht alles schlagartig verbessern, doch der Reihe nach.

Mangelnde Chancenverwertung, fehlende Form

Nach dem schwer erkämpften Sieg über die Heynckes-Elf tut sich die Borussia irgendwie schwer: zwei Siege aus den darauf folgenden neun Partien. Auffällig: um den Hamburger SV und den FC Augsburg zu schlagen, brauchte es mindestens zwei Treffer. In den verbleibenden sieben Partien waren es insgesamt zwei geschossene Tore, und das ist zu wenig. Die Torflaute kam also nicht aus heiterem Himmel, also zur Rückrunde, sondern kam schleichend. Dennoch, die Borussia war in der Hinrunde deutlich effektiver vor dem Tor, auch wenn sie auf ihre Stärke bei Standards angewiesen war. Derzeit liegt die Chancenverwertung auf dem Niveau eines Absteigers. Die Borussia ist das Schlusslicht, nur 8,8 Prozent aller Torschüsse wurden verwertet. Als Vergleich: der Hamburger SV kommt beispielsweise auf einen Wert von rund 20 Prozent.

Die Zahlen beschreiben das Problem, aber nicht die Gründe für die Abschlussschwäche. Thorgan Hazard, Lars Stindl und Raffael, immerhin die besten Torschützen der vergangenen Saison, suchen seit einiger Zeit nach ihrer Top-Form. Dazu kommt, dass ein Raffael immer wieder ausfällt, sodass er nie in den so wichtigen Rhythmus kommt. Bei Lars Stindl fällt es bei den erzielten Treffern deutlich auf, dass er mit sich selbst zu kämpfen hat. Er hatte mit seinen elf Treffern einen großen Anteil daran, dass die Borussia um die europäischen Plätze mitspielen konnte. In den letzten Wochen und Monaten hinken aber den Erwartungen hinterher. Alternativen im Kader sind nicht vorhanden, auch diverse Ausfälle spielen eine Rolle. Das Leistungstief der drei kann die Borussia derzeit nicht auffangen.

Ohne überraschende Ideen, ohne strategischen Spielaufbau

Dies führt unweigerlich zu der Frage: ist der Kader optimal zusammengestellt worden? Mit einem Blick auf die vereinsinterne Torschützenliste fällt auf, dass nur noch zwei weitere Angreifer in dieser Saison getroffen haben. Fabian Johnson traf bei der 1:5-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen, Jonas Hofmann traf im DFB-Pokal in Essen. Diese Torflaute ist selbst mit den langfristigen Ausfällen einiger kaum zu erklären. Es sind jedoch nicht nur die fehlenden Tore, die Sorgen bereiten. Bei einem Ausfall von Raffael bleiben zumeist die überraschenden Momente im Spiel der Borussia aus. Dieter Hecking betont immer wieder seine Wichtigkeit für das Team. Ist es nicht ein wenig fahrlässig auf einen alternden und verletzungsanfälligen Brasilianer zu setzen? Bereits in der vergangenen Saison fehlte er häufiger. Keine Frage, Raffael war und ist ein guter Fußball, aber auch nicht mehr weit von der Fußball-Rente entfernt.

Es ist nachvollziehbar, dass ein Leistungsträger wie Raffael unersetzbar ist, aber müsste dann nicht von einer anderen Position mehr Impulse kommen? Die Stamm-Doppelsechs besteht aus Denis Zakaria und Christoph Kramer, die beide weniger als Strategen gelten. Sie beide sind eher die Abräumer, und weniger bekannt dafür den intelligenten, öffnenden Pass zu spielen. Dabei gäbe es Möglichkeiten zukünftig mehr Kreativität ins zentrale Herz der Borussia zu stellen: beispielsweise auf der Bank, oder der Tribüne, oder auch in Düsseldorf. Spätestens zur kommenden Saison muss umgedacht werden, denn ohne Ideen aus dem eigenen Spielaufbau heraus, wird es schwer werden die gegnerischen Abwehrreihen zu knacken. Ein Umbruch in der Offensive muss eingeleitet werden, wenn er nicht schon im Gange ist.

Verletzungen gefährden den Erfolg

Sie wurden bereits erwähnt: die Verletzungen. Sie haben nicht abgenommen, teils sogar zugenommen, und dennoch sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Einerseits muss Andreas Schlumberger die Zeit bekommen sich einzufinden, andererseits muss bei den Verletzungen differenziert werden. László Bénes brach sich den Mittelfuß nach einem Zweikampf, Tobias Strobl riss sich das Kreuzband, weil er mit den Stollen im Gras hängen blieb. Keine Medizin-Abteilung der Welt hätte prophylaktisch eingreifen können. Das was zu hinterfragen bleibt, das sind die Muskelverletzungen bzw. die langfristigen Ausfälle der immer gleichen Personen. Ibrahima Traoré ist so ziemlich das beste Beispiel dafür. In zwei Jahren kommt der Flügelflitzer auf gerade einmal 17 Bundesliga-Einsätze. Genau bei solchen Fällen wie ihm muss genau nachgeforscht werden. Es kann eigentlich nicht sein, dass ausgerechnet die Borussia immer wieder mit komplizierten Verletzungen zu kämpfen hat. Diese setzen den Erfolg des Vereins aufs Spiel, und das sollte jedem bewusst sein, besonders in den letzten Monaten.

Ein anbahnendes Kopfproblem

Unbestritten, die Borussia hatte in den letzten Monaten Pech mit den Schiedsrichterentscheidungen. Im Heimspiel gegen Schalke wurde ein klarer Elfmeter zurückgenommen, nachdem der Videoschiedsrichter eingegriffen hatte. Beim Rheinderby wird Jonas Hofmann im Strafraum umgegrätscht, und der Elfmeterpfiff blieb aus. Im DFB-Pokal-Achtelfinale stand Kai Havertz mit im Mittelpunkt, der nach zwei Ellbogenschlägen vom Platz hätte gestellt werden müssen. Kombiniert mit einer mangelnden Durchschlagskraft und Chancenverwertung, sinnbildlich ist dafür der vergebene Strafstoß von Thorgan Hazard, scheint die Borussia vom Pech verfolgt zu sein. Die Spieler sollten nicht zu intensiv darüber nachdenken, und dennoch wirkte die Mannschaft in Stuttgart äußerst verunsichert. In den ersten 15 Minuten war man überhaupt nicht im Spiel, obwohl es der Plan war den Bock umzustoßen. Ein Kopfproblem wäre zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht zu gebrauchen.

Der Trainer bleibt Antworten schuldig

Auch der Trainer ist in der Pflicht, immerhin ist er für die Mannschaft verantwortlich. Die größte Frage, die sich der ein oder andere Fan stellen mag ist: wieso spielt die Mannschaft häufig so mut- und ideenlos? Wer aufmerksam gelesen hat, der könnte eine Antwort gefunden haben. Er sitzt definitiv mit im Boot, und sollte mindestens genauso kritisch mit sich selbst umgehen. Die fehlende Kreativität aus dem Zentrum heraus könnte durch einen Michael Cuisance in Spiel kommen. Dazu müssten aber auch Passspiel und Laufwege wieder aus einem Fluss kommen, denn ohne Tempo im Spiel wird es schwer Lücken zu reißen. Auch nicht zu vergessen: die entscheidenden Pässe müssten auch Mal im Strafraum ankommen! Dazu gehört auch ein wenig Selbstbewusstsein, das der Mannschaft aktuell zu fehlen scheint. Schließlich müssten nur noch die Chancen verwertet werden. Das klingt nach ziemlich viel Arbeit.

Der Fan sollte aus der Vergangenheit gelernt haben. Einen Trainer inmitten der Saison zu entlassen, um die Saison zu retten, das hätte mit Dieter Hecking ja nur beinahe funktioniert. Jetzt das Ganze nochmal durchzuspielen, das macht keinen Sinn. Das bedeutet jedoch nicht, dass er nicht kritisiert werden darf. Die Fans haben das Recht ihren Unmut zu äußern. Alle haben ihr Fett wegbekommen. Es bleibt zu hoffen, dass der Trainer noch einen Plan (B) hat, und keine weitere Verzweiflungstat vollzieht, indem er wie in Stuttgart alle verfügbaren Stürmer plus Jannik Vestergaard in den Sturm stellt. Es klingt zwar einfach, aber der Erfolg muss zurück, egal wie. 25 Punkte sollten es in der Rückrunde mindestens werden, wenn es nach den Vorstellungen von Max Eberl geht. Stand jetzt ist dieses Ziel kaum noch zu erreichen, und dann würde der Trainerstuhl im Sommer gewaltig wackeln. Doch eine Trainerentlassung würde nicht alle Ketten lösen. Kader, Sportdirektor und Medizin-Abteilung gehören ebenfalls auf den Prüfstand.

 

3 Kommentare

  1. Dogparty

    “ …Die Fans haben das Recht berechtigterweise ihren Unmut zu äußern…“
    Irgendwie doppelt gemoppelt 🙂
    entweder
    „Die Fans haben das Recht ihren Unmut zu äußern“
    oder
    „Die Fans (dürfen) berechtigterweise ihren Unmut äußern“
    *Korintenkackermodus aus ;-)*

    Ansonsten angenehm realistischer Beitrag!

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  2. R.Mann

    Der Beitrag ist schon OK!! Die 31 Punkte die geholt wurden sind auch OK !
    Dann kam das Pech und Unvermögen zusammen und der Mut eine Schlagkräftige
    Mannschaft aufzustellen.Mit Cramer,Jantschke und wie im letzten Spiel mit
    Hofmann gewinnst du nichtmal gegen desolate Stuttgarter die eigentlich nicht
    über die Mittellinie wollten. Der arme Grifo wird nicht angespielt und es wird
    schon gemunkelt das er sich im Sommer einen neuen Verein suchen darf.(Schade)
    Drimic und Bobadilla sind Fremdkörper und sollten durch junge Spieler aus der
    zweiten Reihe ersetzt werden.(U23)Dieter Hecking ist ein feiner Kerl und wird am
    Ende den 10.oder11.Platz erreichen.

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