Spielerbericht

Rasmus Elm: ein Schwede für die Fohlenelf?

Max Eberl hat erst kürzlich verkündet im Winter Veränderungen am Kader vornehmen zu wollen. Es soll schon konkrete Ideen geben. Ein Spieler mit vielen Spielen auf dem Buckel und einer interessanten Geschichte soll es sein. Dieser soll im besten Fall eine Führungsrolle einnehmen, die im aktuellen Kader nicht ausreichend ausgefüllt wird. Rasmus Elm passt anhand der Beschreibung wie die Faust aufs Auge. Der wiedergenese Schwede möchte nach seiner überwundenen Magenkrankheit nochmal ein Abenteuer im Ausland suchen – sehr gerne am Niederrhein.

Rasmus Elm galt schon früh als außerordentliches Talent. 2005 gelang ihm in seiner erstem Spielzeit beim Kalmar FF der Durchbruch in der Allsvenskan. Mit gerade einmal 17 Jahren debütierte er in der Liga. Sein Heimatklub konnte sich in den folgenden Jahren in der Spitzengruppe der schwedischen Liga etablieren. Der Pokalsieg 2007 und die Meisterschaft 2008 waren die größten Erfolge. Beobachtern aus Europa entging nicht, dass Elm einen gehörigen Anteil am Aufschwung des Kalmar FF hatte. Anfang 2009 wurde er für die schwedische Nationalmannschaft nominiert und wechselte im Sommer zum AZ Alkmaar in die Niederlande.

In Europa heiß begehrt

In der Eredivisie bestätigte er sein Talent und entwickelte sich in einigen Spielzeiten zu einem Anführer im Mittelfeld. Elm gab Anweisungen an (ältere) Mitspieler, als wäre es mit 23 Jahren völlig selbstverständlich. Das Vertrauen hatte er sich aufgrund seiner überragenden Qualitäten am Ball erarbeitet. In dieser Zeit galt er neben Zlatan Ibrahimovic als der bekannteste Schwede. Viele trauten Elm eine ähnlichen Karriereverlauf zu, sodass das Interesse der großen Klubs in Europa konkreter wurde. Sein Wechsel 2012 zum ZSKA Moskau war selbst für Experten eine Überraschung. Die Nähe zu seiner Heimat war ihm wahrscheinlich wichtig gewesen.

Schwere Krankheit bedroht Leben und Karriere

In Russland gewann er mit dem Hauptstadtklub gleich das Double. Ein weiterer Meistertitel folgte in seiner zweiten Spielzeit beim ZSKA Moskau. Der Schwede hatte mit seinen Leistungen maßgeblich Anteil am Erfolg des russischen Klubs. Dennoch sollte der schier unaufhaltsame Aufstieg von Elm abrupt beendet werden. Im Sommer 2015 wurde eine schwere Erkrankung des Magen-Darm-Traktes diagnostiziert. Bei sportlichen Betätigungen kam es zu lebensbedrohlichen Magenbluten. Ein frühes Karriereende schien unausweichlich. Der Vertrag in Moskau wurde im Januar 2015 ohne Aussicht auf eine Genesung aufgelöst. Elm kehrte in seine Heimat zurück, um sich von dortigen Experten behandeln zu lassen, und unterschrieb einen Vertrag beim Kalmar FF.

Wiedergenesung in der Heimat

Im Sommer 2015 meldete er sich mit Kurzeinsätzen zurück. In seiner zweiten Spielzeit wurde er zum Kapitän ernannt und in der Endphase der Saison ein fester Bestandteil der Mannschaft. Umso erfreulicher ist es, dass Elm sich in einem aktuellen Interview als völlig genesen bezeichnet. Er möchte erneut ins Ausland wechseln und das Abenteuer suchen. Bei seinem Talent sollte es nicht schwer sein eine neue Herausforderung in Europa zu finden. Vor allem der AZ Alkmaar scheint Interesse daran zu haben seinen alten Schützling wieder aufzunehmen. Erstaunlich, dass der langjährige schwedische Nationalspieler momentan unter dem Radar der Medien durchfliegt, obwohl Elm gerade erst mit dem Ende der Allsvenskan auf den Markt gekommen ist.

Eine Geschichte zum Erzählen

Elm hat mit seiner Krankheit eine bewegende Geschichte zu erzählen. Die Medien werden darauf anspringen. Zum Glück bringt er mit über 300 Profi-Einsätzen in verschiedenen Ligen Europas genügend Erfahrung mit, um mit dem Medienrummel umgehen zu können. Seine 31 Einsätze mit der schwedischen Nationalmannschaft und die internationalen Partien auf Vereinsebene sind die Pluspunkte. Der Schwede wird schnell Anschluss finden, wie auch schon in den Niederlanden und in Russland. Die skandinavischen Mitspieler Wendt, Christensen und Vestergaard könnten dafür sorgen, dass sich der Prozess beschleunigt. Es wäre wünschenswert, damit nicht nur seine Präsenz auf dem Platz, sondern auch seine Worte in der Kabine verstanden werden.

Der schwedische Pirlo

Manch einer hat ihn schon als schwedischer Pirlo bezeichnet. Mit seinem feinen Ballgefühl und der Übersicht bringt er selbst lange Pässe präzise an den Mann. Seine Ballkontrolle ist exzellent und ist wie bei langen Pässen auch im Kurzpassspiel überragend. Bei ruhenden Bällen nutzt er sein Ballgefühl, kann aber auch seine enorme Schusskraft einsetzen. Freistöße, Ecken und Elfmeter übernimmt er! Elm kann in einer Manier wie Xhaka einen Schuss aus der Distanz in die Maschen wuchten. Auch wenn man gegen den Ball arbeiten muss, wirft sich der Schwede in die Zweikämpfe – in der Luft und auf dem Boden. Dazu ist er der geborene Anführer auf eines der wichtigsten Positionen im Fußball.

Zuschlagen

Aktuell wird der Preis des Schweden nicht hoch sein. Die überwundene Krankheit bleibt natürlich im Hinterkopf. Ärzte können das Risiko eines Rückschlags besser einschätzen. Es wäre schon verrückt wenn Eberl bei diesem interessanten Spieler nicht anfragen würde. Elm sucht ein neues Abenteuer. Ein Verein, der in der Vergangenheit von seinen Schweden profitiert hat, wäre sicherlich attraktiv genug. Das Gesamtpaket spricht einfach für ihn und erscheint zunächst realistischer als bei den Namen Schweinsteiger oder Gustavo.

2 Kommentare

  1. Nafetz

    Interessanter Artikel, …aber: geht mir etwas auf den S…, wenn im Zusammenhang von Xhaka immer von Distanzschussgefahr gesprochen wird.
    Als Spieler, Antreiber, Ideengeber, Abräumer und Kurz- wie Langpassgeber zweifellos sehr wichtig, aber Tore? Wie viele hat er denn bitte gemacht? Da reicht er ja gefühlt nicht mal an Roooouuuul ran und der war Ausputzer.

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