Rund um das Fansein

Red Bull zeigen was man nicht kaufen kann!

RB Leipzig steht seit Beginn seiner Gründung in berechtiger Kritik – darüber muss gar nicht diskutiert werden. In Dortmund haben „Fans“ jedoch vorgeführt wie man die eigene Meinung nicht vortragen sollte. Gewalt und deplatzierte Botschaften auf Spruchbändern schaden eher der etablierten Fanszene, als dem Ansehen vom RB-Projekt. Ausgerechnet mit dem kommenden Heimspiel werden die Roten Bullen zu Gast im Borussia Park sein. In Anbetracht der bisherigen Vorkommnisse in der Bundesliga sollten die Fans gemahnt sein und überlegt auf Red Bull reagieren.

Natürlich ist sich jeder bewusst, dass die Kommerzialisierung im Fußball stetig vorangetrieben wird. Etliche Vereine in Europa liegen inzwischen in Händen von Investoren. In der Premier League ist es das Standardmodell, in Frankreich erleben Paris Saint-Germain und AS Monaco seit der Übernahme durch Investoren eine Renaissance, und in der Serie A gehört zum Beispiel Inter Mailand seit 2016 der chinesischen Sunding Holdings Group. Eine weitere Entwicklung in diese Richtung wird auch nicht aufzuhalten sein, weil ein Anschluss zur europäischen Spitze nur noch durch massive finanzielle Investitionen erreicht werden kann. Die Schere zwischen Top-Clubs in Europa und dem gesamten Rest ist zu weit auseinander gegangen.

Woher kommt die Kritik an Red Bull?

Zunächst einmal ist es die Art und Weise wie Red Bull den finanziell-angeschlagenen Verein Austria Salzburg im Jahr 2005 übernahm äußerst fraglich. Die Distanzierung von der Vereinsgeschichte und die Veränderung von Wappen und Vereinsfarben verärgerte viele Fans – die Identifikation mit Austria Salzburg wurde genommen. Als Vergleich: das wäre wie wenn bei Borussia Mönchengladbach die glorreichen Siebziger abgestritten werden würden. Auch bei RB Leipzig stehen die Fans im Mittelpunkt bzw. eigentlich gar nicht. Die Zahl der Vereinsmitglieder ist überschaubar, ein stimmberechtigtes Mitglied zu werden ist unmöglich. Der Verein ist in der Kontrolle von Red Bull.

Im Grunde fürchten sich Fans in Deutschland davor, dass Red Bull in Deutschland einen Trend lostreten könnte, der schon in Europa eingezogen ist. Was passiert wenn ein weiterer Großkonzern auf die Idee kommt einen Fußballverein zu gründen oder umfangreich zu investieren? Die 50+1-Regel schützt Vereine vor einer Übernahme, jedoch ist am Vorgehen von Red Bull zu erkennen, dass diese Regel legal übergangen werden kann. Viel mehr ist RB Leipzig die Spitze der Kommerzialisierung. Ein Unternehmen führt einen Verein, um Marketing-Ziele bzw. wirtschaftliche Gewinne zu erzielen. Der sportliche Wettbewerb stellt eher ein Mittel zum Zweck dar.

Die Ergebnisse der Roten Bullen in dieser Saison sind beeindruckend, keine Frage. Als einziger ernsthafter Bayern-Konkurrent in dieser Saison hat man ein Ausrufezeichen gesetzt. Das gesamte Projekt ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Mit der Jugendarbeit, den vernetzten Vereinen und der Spielphilosophie durch alle Ebenen hat man aufgezeigt, wie man Erfolg planen kann. Nur fähige Personen im und um den Verein konnten dies alles möglich machen.

Man kann sich nicht alles kaufen

Natürlich ist das Projekt durchdacht, jedoch kann eine Identifikation mit dem Verein nicht erkauft werden. Eine Fußball-Weltmeisterschaft zeigt wie der Sport zum Event verkommt. Ist der Fußball nicht viel mehr als das, mehr als nur ein Event? Ist es nicht die Leidenschaft und die Identifikation der Fans mit einem Verein, die den Fußball so interessant machen? Wenn 10.000 Fans nach Rom reisen, um ein Spiel in der Europa League zu sehen, dann weiß man was Tradition bedeutet. Das ist wahre Vereinstreue, die man sich nicht erkaufen kann. Menschen opfern ihre Zeit, unabhängig von Erfolg oder Misserfolg. Das klingt wahrscheinlich alles ziemlich romantisch, aber jeder Fan wird wissen wie er zu diesem Verein kam. All die emotionalen Erinnerungen der letzten Jahre und Jahrzehnte erzählt man sich auch immer wieder.

Deswegen der Appell: nehmt Abstand von Gewalt und übermäßiger Kritik. Das soll nichts ausschließen, aber Red Bull kann man mehr als nur Hass, Wut und Gewalt entgegenbringen. Der Fokus sollte ganz klar bei der Borussia liegen, der Identifikation mit dem Verein. Eine bombastische Choreographie mit begeisterten Fans und Gesängen sollte ein besseres Statement abgeben, als Eltern mit ihren Kinder mit Gegenständen zu bewerfen. Es soll keine Enttäuschungen und ein faires Spiel neben und auf dem Platz geben.

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