Für Eugen Polanski gibt es kein Zurück mehr

Aus Mauer-Taktik wird Harakiri: Was vor wenigen Wochen noch als mutiger Neuanfang bei Borussia Mönchengladbach angekündigt wurde, droht nach nur zwei Ligaspielen krachend zu scheitern. Zwar hat sich die Mannschaft in bestimmten Bereichen verbessert, doch die defensive Naivität ist schwindelerregend. Eine Analyse zur fehlenden Balance, fragwürdigen Entscheidungen und einem Eugen Polanski, dessen Tage am Niederrhein gezählt sein dürften.

Nach Abschluss der Saisonanalyse wurde gemeinsam mit Eugen Polanski beschlossen, zu einer Grundordnung mit per se offensiverem Personal zu wechseln. „Wir haben die Möglichkeit, im 4-2-3-1 oder im 4-3-3 zu spielen“, sagte Schröder. Borussia sollte mit der neuen Ausrichtung auch ein intensiveres Spiel auf den Platz bringen, um nicht nur offensiv, sondern auch mutig zu agieren. Insbesondere im Angriff war aufgrund verletzungsbedingter Ausfälle ein unausgeschöpftes Potenzial vorhanden. Damit war auch diese Vorgabe damit verbunden: Talente wie Wael Mohya sollten gezielt gefördert werden. Nun wechseln wir von dem, was vor Wochen geplant wurde, zur Realität nach drei Pflichtspielen, mit zwei Bundesligaauftritten. In der Kurzfassung könnte behauptet werden, dass Borussia von einer destruktiven Mauer-Taktik zum wilden Harakiri-Modus gewechselt ist. Nach den wenigen Auftritten lässt sich bereits jetzt festhalten, dass der Mannschaft nach wie vor die Balance fehlt. Eugen Polanski wirkt in dieser Hinsicht überfordert, die an ihn gerichteten Erwartungen so umzusetzen, dass daraus erfolgreicher Bundesliga-Fußball entstehen könnte. Es ist, als stünde ein Schüler vor einer mathematischen Aufgabe, die er nach bestimmten Vorgaben löst, deren Lösungsweg er aber nicht wirklich versteht.

Naivität kostet Punkte

Denn Borussia hat sich in bestimmten Bereichen steigern können, die in den vergangenen Jahren immer ein Problem waren. Die Frage ist nur, wieso das zu Lasten der defensiven Stabilität geschieht. Die Mannschaft spielt einen intensiveren und offensiveren Fußball, wie die Zahlen belegen: mehr gelaufene Kilometer, mehr intensive Läufe, mehr Sprints und mehr Torabschlüsse. In der statistischen Auswertung der Bundesliga (Stand: 6. September 2026) belegt Borussia die vordersten Ränge – das spricht zumindest für nachvollziehbare Transfers. 39 Torschüsse, davon 21 direkt aufs Tor von Moritz Nicolas, zeigen jedoch, dass man mit sieben Gegentoren mehr als gut bedient ist. Statt über die emotionalen Aussagen von Tim Kleindienst im Interview nach dem Spiel zu diskutieren, muss gefragt werden, wie die Mannschaft insgesamt so kopflos und naiv mit einer 3:1-Führung umgehen kann. Auch die Impulse von außen – es handelte sich um 1:1-Wechsel – erweckten nicht den Anschein, als sollte sich an der generellen Ausrichtung etwas ändern. Mathieu Nguefack hätte vom Trainer geschützt werden müssen. Stattdessen gibt es nun Diskussionen um ihn und die nach dem Spiel getätigte Aussagen. In der ohnehin angespannten Situation im Mittelfeld noch mehr Verunsicherung reinzubringen, liegt auch in dieser Trainerentscheidung begründet.

Zumindest hat sein Kapitän verstanden, dass es hilfreicher ist, wenn er einen Teil der öffentlichen Kritik auf sich zieht. Denn mit diesem insgesamt naiven Auftreten können sich weder die Mannschaft, noch einzelne Talente nachhaltig weiterentwickeln, wenn sie eine derart hohe Fehlerquote aufweisen. Borussia Mönchengladbach steckt im Krisenmodus und Eugen Polanski, der schon vor Saisonende intern umstritten war, aber mangels besserer Alternativen weitermachen durfte, steht nun wohl vor seiner letzten Bewährungschance. Denn klar ist, dass der 40-Jährige nach dieser Blamage keinen Rückschritt zum destruktiven Mauer-Fußball wagen kann. Einerseits, weil der Kader darauf nicht ausgerichtet ist und aufgrund verletzungsbedingter Ausfälle kaum Alternativen hergibt, andererseits weil er damit zugeben müsste, dass er die an ihn gerichteten Vorgaben nicht erfolgreich umsetzen kann. In dieser Konstellation ist es kaum vorzustellen, dass Polanski auch über die anstehende Länderspielpause hinaus Trainer von Borussia sein wird.

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