Borussia 2025/26: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende

Borussia ist mit einem blauen Auge davongekommen. Nach dem Klassenerhalt bekommt der Verein gewissermaßen eine zweite Chance aufgezwungen. Denn im Vergleich zu vor einem Jahr können keine „Fortschritte” mehr hervorgehoben werden. In diesen Wochen soll analysiert werden, der Ausgang ist offen. Klar ist, dass es unter erneut schwierigen Bedingungen darauf ankommen wird, konsequent die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aus Prinzip an Ideen wie dem gescheiterten „Borussia-Weg“ und am Trainer festzuhalten, wird nicht den erhofften Erfolg einbringen. Es gilt als sicher, dass Rouven Schröder so ziemlich alles hinterfragen wird, um den Verein für die kommende Saison erfolgreich aufzustellen. Das wird auch notwendig sein, um zukünftig nicht nur um den Klassenerhalt kämpfen zu müssen. 

Stillstand statt Fortschritt

Ein nüchterner Blick auf die Zahlen verrät, dass Borussia in den vergangenen vier Jahren nicht von der Stelle gekommen ist. Trotz der 13 Zu-Null-Spiele stehen am Ende 53 Gegentore zu buche. Ein Ausdruck der Wankelmütigkeit der Mannschaft: In den restlichen 21 Spielen sind durchschnittlich 2,5 Gegentreffer gefallen. Die Arbeit gegen den Ball hat zumindest phasenweise gestimmt. Wenn die Abwehr nicht zur Stelle war, dann war es Moritz Nicolas mit seinen Paraden. Denn Borussia ließ die dritthöchste Anzahl direkter Torabschlüsse in der Liga zu. Umgekehrt haben die Gladbacher mit 11,62 Abschlüssen pro Spiel die wenigsten in der Bundesliga produziert. Es fällt schwer, das noch zu relativieren, wenn nur die beiden Absteiger schwächer performt haben. Die Daten von Opta belegen zudem, dass kaum eine andere Mannschaft tiefer verteidigt hat – das unterbietet nur der 1. FC Heidenheim. Außerdem ist Borussia datenbasiert wenig läuferisch stark und aktiv in der frühen Balleroberung. In Ballbesitz scheint hingegen noch Potenzial brach zu liegen. Alle diese Werte unterstreichen den Eindruck, den man im Stadion oder vor dem Fernseher gewinnen konnte: abstiegsreif.

Fehlende Balance auf Kosten verbesserter Defensive

Eugen Polanski kann zumindest teilweise zugerechnet werden, die Abwehr stabilisiert zu haben. Das war seinen Vorgängern nicht gelungen. Ihm ist es jedoch zu selten gelungen, die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive zu finden. Beim Heimspiel gegen Mainz wurde es auf die Spitze getrieben: Dem Gegner wurde nahezu das gesamte Feld überlassen. Es ist ihm dennoch nicht alles anzulasten, was im Verein falsch gelaufen ist. Für langfristige und wiederholte verletzungsbedingte Ausfälle, eine geringe Kadertiefe und fehlende Durchlässigkeit aus der eigenen Jugend, sowie nicht eingeschlagene Neuverpflichtungen kann er nichts. Die schwächste Torausbeute seit 17 Jahren – damals stand noch Hans Meyer an der Seitenlinie – hängt sicher auch mit den langen Ausfällen von Robin Hack, Nathan Ngoumou und Tim Kleindienst zusammen. Zudem wurde der Abgang von Alassane Plea nicht adäquat kompensiert. Streng genommen haben Leihspieler, insbesondere Haris Tabakovic mit seinen Treffern, und ein 17-jähriger Wael Mohya die Saison gerettet. Das Glück wurde maximal ausgereizt, nachdem der zurückliegende Transfersommer weniger erfolgreich war – insbesondere bei Offensiv-Transfers. Abgesehen von den geliehenen Spielern haben Jens Castrop, Kevin Diks und später auch Hugo Bolin den besten Eindruck hinterlassen.

Konsequente Entscheidungen treffen

Leadership zu fördern und eine (neue) Hierarchie aufzubauen, das wird auch wieder die Aufgabe von Rouven Schröder sein. Rocco Reitz wird den Verein verlassen, Kleindienst wird in der Sommerpause zu seiner alten Form finden müssen, um wieder auf dem Platz vorangehen zu können. Daneben zeigen sich noch Diks, Nicolas und Philipp Sander als Leadertypen, die noch länger unter Vertrag stehen. Die ersten Transfergerüchte, wie um Rani Khedira, zeigen aber auch, dass Borussia nach neuen Spielern fahndet, die vorangehen und die Forderung des derzeitigen Trainers erfüllen: eine gewisse „Arschloch-Mentalität“. Grundsätzlich ist klar, dass Borussia – wie immer – einen guten Transfersommer benötigen wird. Zumindest mit David Herold (Karlsruher SC) bahnt sich ein weiterer Neuzugang an, der das auffangen könnte, was der Mannschaft in der zurückliegenden Spielzeit abging. Außerdem wird entscheidend sein den Kader auszudünnen und bei den Personalien mit Vertrag bis 2027 konsequent zu sein, ob es eine weitere Zukunft bei Borussia geben kann, oder ob man sich frühzeitig wieder voneinander trennt.

Nach Umbruch und Umbruch und Umbruch benötigt es nun Stabilität. Mit maximalen Pragmatismus wird sich Borussia nicht mehr rehabilitieren können. Schröder wird derjenige sein, der den fußballerischen Weg festlegt, den es zu beschreiten gilt. In diesem Zusammenhang wird er auch die Frage beantworten müssen, ob Eugen Polanski der Trainer ist, dem das zugetraut werden kann. Also eine Entwicklung einzuleiten – nicht fortzusetzen – die wieder nachhaltigen Erfolg einbringt. Wenn es kein uneingeschränktes Vertrauen in seine Person und Fähigkeiten gibt, dann muss ein Schlussstrich gezogen werden, anstatt wie vor einem Jahr gedeckt mit Aufsichtsrat und Präsidium etwas fortzusetzen, das später gescheitert war. Die finanzielle Schieflage, die durch einige falsche Managemententscheidungen zustande kam, die hat zumindest für Roland Virkus die Konsequenz, dass dieser wieder für Borussia arbeitet. Der Verein belohnt immer noch Loyalität. So kommt eine personelle Konstellation zustande, die aus einer beliebten deutschen Soap stammen könnte: Der ehemalige Chef arbeitet unter dem neuen und seinen vertrauten Kaderplaner.

Wer folgt dem neuen „Schröder-Weg“?

Was kann Borussia aus dieser Saison mitnehmen? Es gibt in nahezu allen Bereichen Verbesserungspotenzial: bei der fußballerischen Ausrichtung, der Jugendarbeit, in der medizinischen Abteilung und Prävention, beim Scouting, bei Transferentscheidungen sowie in den generellen Strukturen. Im Verein mag das wieder als zu harte Kritik wahrgenommen werden, denn sicher war nicht alles schlecht. Aber wenn man Jahr für Jahr nur die wenigen positiven Aspekte herauspickt, schadet das dem Großen und Ganzen. Schröder hat sich sicherlich bereits festgelegt, welchen Weg er gehen will. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, wer mitgenommen wird. Es gibt nicht nur die Trainerfrage, sondern auch die Vertragssituationen einiger Spieler und vieles anderes zu klären. Das Geschäftsmodell, Nachwuchsspieler und europäische TopTalente auszubilden, hat sich zuletzt nur noch mit wenigen Ausnahmen gerechnet. Nachdem der „Borussia-Weg“ gescheitert ist und es deutliche Kritik gegeben hat, muss sich das Präsidium zumindest vereinsintern stellen und die richtige Entscheidung für Borussia treffen. Es sollte allen Verantwortlichen bewusst sein, dass dieser Sommer der letzte, entscheidende sein könnte, um das Schlimmste abzuwenden. Die Fans erwarten, dass alles für den Erfolg getan wird, bequem war es lange genug. Lieber ein Ende ohne Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

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