Ein Heimsieg gegen den 1. FC Heidenheim hätte ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt sein können. Stattdessen zeigte Borussia über weite Strecken eine erschreckend schwache Leistung.
Auch wenn der Ausgleichstreffer in der 74. Spielminute eine Niederlage abwenden konnte, zeigte genau die Phase danach, dass Eugen Polanski einer Fehleinschätzung unterlag. Der Tabellenletzte dominierte spielerisch die längste Zeit und zwang die Gladbacher zu gefährlichen Ballverlusten. Dadurch stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Mannschaft den nahezu feststehenden Absteiger unterschätzt hat. Der Trainer muss sich aufgrund der offensivstarken Schlussviertelstunde die Kritik gefallen lassen, dass er die Mannschaft ursprünglich zu defensiv aufgestellt hat. Einige personelle Entscheidungen griffen gar nicht, sondern haben Heidenheim sogar noch geholfen. Insgesamt verstärkt das die nachvollziehbare Kritik an seiner Person.
Borussia Verbaselona
Dem eigenen Spiel fehlte ein Strukturgeber wie Niklas Dorsch bei Heidenheim. Unabhängig von seinem Wechsel ist Rocco Reitz nicht derjenige, der ein Spiel unter Kontrolle bringen kann. Dennoch versucht Polanski, ihn genau in diese Rolle zu bringen, obwohl die Statistiken belegen, dass ihm genau das nicht liegt. Der 23-Jährige ist vor allem durch seine Arbeit gegen den Ball für andere Mannschaften interessant geworden. Das zeigt auch seine Passquote von lediglich 77 Prozent. Bei Pässen ins letzte Drittel liegt sie bei 63 Prozent. Das schlägt sich auch darin nieder, dass er im Verhältnis zu seiner Einsatzzeit wenige Torchancen herausspielt. Hinzu kommt, dass die Hereinnahme von Shuto Machino für Haris Tabakovic ein erneuter Beweis dafür war, dass der Japaner nach wie vor nicht bei Borussia angekommen ist. Über die gesamte Saison hinweg strahlt er kaum Torgefahr aus, was nahezu jede relevante Statistik unterstreicht. Wenn Franck Honorat dazu zusätzlich seiner Form und seinen schwerwiegenden Ballverlusten hinterherläuft, hängt offensiv zu viel von dem erst 17-jährigen Wael Mohya ab.
Die Schlussviertelstunde nach dem 2:2-Ausgleichstreffer belegt, dass Borussia sowohl in der Aufstellung als auch in der Einstellung zu passiv war. Kevin Stöger brachte durch seine Präsenz im Mittelfeld die notwendige Struktur ein. Die Einwechslungen brachten neuen offensiven Schwung, auch weil Polanski mutiger aufstellte. Spätestens dann wurde offensichtlich, wie falsch der Trainer gelegen hatte. Heidenheim stand derart unter Druck, dass selbst nach einer bis zu diesem Zeitpunkt desolaten Leistung noch ein Heimsieg möglich gewesen wäre. Polanski kann nicht zufrieden sein. Mit einem Heimsieg wäre der Klassenerhalt in greifbare Nähe gekommen. Nach dem enttäuschenden Unentschieden ist der Druck stattdessen deutlich gestiegen. Denn auch wenn er sich nach wie vor mit widrigen Bedingungen auseinandersetzen muss, fehlen die Argumente, die eine langfristige Zusammenarbeit rechtfertigen. Borussia steht zwar unter ihm defensiv stabiler, spielerisch ist die Mannschaft aber mitunter das schwächste, was die Bundesliga zu bieten hat.
Mögliches Szenario: Trainerwechsel im Sommer
Rouven Schröder wird sich derzeit wie alle anderen im Verein auch auf den Klassenerhalt konzentrieren. Ein Trainerwechsel im Sommer spielt in seinen Gedanken sicher (noch) eine untergeordnete Rolle und wird nicht kategorisch ausgeschlossen. Wenn in den vergangenen Monaten eines klar geworden ist, dann dass bei Borussia inzwischen alles hinterfragt wird. Notwendige Änderungen werden vorgenommen, wenn das interne Analysen ergeben. Daher wird auch sicher der Trainerposten kritisch beobachtet werden. Der Verein kann es sich nicht leisten, erneut die falschen Schlüsse aus einer abgelaufenen Saison zu ziehen. Daraus sollte Borussia inzwischen gelernt haben.