Rocco Reitz polarisiert vor dem Rheinderby: Sein Wechsel im Sommer zum Ligakonkurrenten RB Leipzig sorgt für Diskussionen unter den Fans. Kritische Stimmen waren absehbar gewesen, ebenso wie mögliche Pfiffe im Stadion. Borussia kann die Transfereinnahmen zu einem so frühen Zeitpunkt hingegen gut gebrauchen.
Dabei hat Reitz in den vergangenen Jahren eine hollywoodreife Entwicklung durchgemacht. Er benötigte mehrere Anläufe, um sich bei seinem Herzensverein überhaupt durchzusetzen, und arbeitete hart an sich selbst. Der 23-Jährige ist das beste Beispiel dafür, dass Talent allein nicht ausreicht, um sich bei einem Bundesligaverein durchzusetzen. Denn er musste sich in Geduld üben und war erst drei Jahre nach seinem Profidebüt im Mittelfeld nicht mehr wegzudenken. Ausschlaggebend war möglicherweise sein engagierter Auftritt im Heimspiel gegen den FC Bayern.
Bökelberg-Fußballromantik und Bullen-Karriereplanung
Auch das, was von seinem Privatleben bekannt ist, liest sich wie ein kitschiger Fußballroman, den auch Christoph Kramer hätte schreiben können. Mit sieben Jahren kam Reitz zur Borussia und stand als Fan in der Nordkurve. Als wäre das noch nicht fußballromantisch genug, ist er mit der Tochter des ehemaligen Mönchengladbacher Mittelfeldspielers Karlheinz Pflipsen verheiratet. Mit den ersten Gerüchten und spätestens mit seinem feststehenden Wechsel nach Leipzig nahm der Roman jedoch eine tragische Wende. Aussagen des Spielers aus der Vergangenheit klingen plötzlich anders. Sie zeigen aber auch, dass in Reitz zwei unterschiedliche Herzen schlagen.
Reitz wird sich darüber im Klaren sein, dass er mit diesem Karriereschritt viele Fans enttäuscht haben wird, weil er sich genau für dieses Konstrukt entschieden hat. Mit diesem Wechsel wird er sich nicht seinen Kindheitstraum erfüllt haben. Er macht viel mehr deutlich, in welche falsche Richtung sich Borussia in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Der Verein benötigt die Transfereinnahmen für den längst überfälligen Umbruch. Die schätzungsweise 20 Millionen Euro, die eingenommen wurden, sollen diesen größtenteils finanzieren. So kann Reitz zumindest seinem Verein indirekt weiterhelfen und im Mittelfeld Platz für eine spielerisch stärkere Alternative schaffen.
Nichtsdestotrotz sollte der Fokus im Derby bei der Mannschaft liegen. Es könnte nicht nur das für die Fans wichtigste Spiel des Jahres gewonnen werden, sondern auch ein bedeutender Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht werden. Darum sollte es am Samstagnachmittag vor allem darum gehen den Kölnern eine Niederlage zuzufügen, nicht um die Karriereentscheidung des Vize-Kapitäns.