Rund um das Fansein

Energydrinks in der Bundesliga

Es werden heute jährlich fünf Milliarden Liter Energydrinks konsumiert. Dietrich Mateschitz, der Erfinder von Red Bull, erkannte in den 1980er Jahren frühzeitig das Potenzial des Getränks. Die Idee stammt ursprünglich aus dem Zweiten Weltkrieg als japanischen Piloten Taurin zur Verbesserung der Sehleistung verabreicht wurde. Heute ist es ein gängiger Party-Drink. Inzwischen ist der Österreicher leitender Unternehmer der Red Bull GmbH. Das Marketing, u.a. mit dem Slogan „Red Bull verleiht Flügel“, ist bis heute ein Grund dafür, dass Red Bull weltweit als Marke bekannt ist. Red Bull Racing und RB Leipzig sind die wohl bekanntesten Projekte. Bei all dem Erfolg gibt es aber auch Kritik aus verschiedenen Richtungen. Die gesundheitliche Gefährdung des Getränks oder das Konzept hinter dem Fußballverein aus Leipzig. Mit letzterem möchte ich mich befassen.

Erste Versuche im deutschen Fußball einzusteigen gab es schon 2006. Red Bull hatte in seinen Planungen mehrere Vereine aus der 2. Bundesliga auf der Liste: FC St. Pauli, 1860 München und Fortuna Düsseldorf. Aus den drei Vereinen gab es Absagen, auch aufgrund der Namensrechten – oder kann sich jemand TSV Red Bull 1860 München vorstellen? Nachdem auch der Deutsche Fußball-Bund eine derartige Namensgebung grundlegend untersagte, suchte Red Bull einen anderen Weg. Man fokussierte sich auf einen Verein unterhalb der Regionalliga, weil in diesem Wettbewerb keine Lizenzierung durch den DFB stattfindet. Die Lücke im System hat es ermöglicht das Startrecht vom SSV Markranstädt in der Oberliga zu erwerben.

Kein Verein wie jeder anderer
In insgesamt 7 Jahren wurde der Sprung von der Oberliga in die 1. Bundesliga geschafft. Rekordverdächtige Transfers sorgten in der 2. Bundesliga schon für Aufsehen. Vor allem als Davie Selke für 8 Millionen Euro von Werder Bremen in die 2. Bundesliga wechselte, wurde ein Ausrufezeichen gesetzt. Das Unternehmen stellt gleich die Finanzkraft unter Beweis. Nach Aussagen von Ralf Rangnick kann der Verein schon jetzt Gehälter zahlen, die Borussia den eigenen Leistungsträgern zahlt. Den sportlichen Erfolg hat man sich erarbeitet, aber das Modell mit dem man sich in den Profisport eingekauft hat, ist äußerst fraglich.

Es ist keine Überraschung, dass die ersten Fan-Gruppierungen Proteste andeuten. Schon in der 2. Bundesliga wurde mit verschiedenen Aktionen eine Ablehnung dieses Vereins deutlich vermittelt. Was hat man anderes erwartet? Schon bei der TSG Hoffenheim hat man entsprechende Reaktionen erlebt, die vor allem Dietmar Hopp betrafen. Dennoch wollte er aus anderen Gründen als Red Bull seinen Heimatverein in der Bundesliga sehen – es war eine Herzensangelegenheit. Der Bau des Stadions, die Erweiterung der Infrastruktur und die Gründung einer Jugendakademie helfen einer gesamten Region. Das Ziel für die Zukunft ist, dass der Verein ohne finanzielle Unterstützung von außen in der Bundesliga überstehen kann.

RB Leipzig unterscheidet sich von vielen anderen Vereinen dadurch, dass man auf Sponsoren nicht angewiesen ist. Red Bull ist der Namensgeber des Stadions, Red Bull ist der Hauptsponsor, Red Bull bietet sogar durch ein Netzwerk aus Vereinen einen internen Transfermarkt an. Red Bull ist das Unternehmen hinter dem Verein. Die Red Bull GmbH investiert hohe Summen in das Marketing. Der Verdacht kommt auf, dass kein direkter Gewinn erzielt werden möchte. Das Marketing steht im Vordergrund, um den Bekanntheitsgrad der eigenen Getränke zu erhöhen. Der Sport ist das Mittel zum Zweck – ein Herzensprojekt ist es wohl kaum.

Was bedeutet das für die Zukunft?
Man könnte sich vorstellen, dass nun andere Unternehmen versuchen werden einen eigenen Verein zu gründen. Die Tradition im Fußball muss verteidigt werden – das darf jedoch nicht der alleinige Grund sein. Der Sport ist im Grunde ein Wettbewerb, wo man sich mit anderen messen möchte. Wenn man aber an einen Punkt ankommt, wo finanzielle Absichten die Überhand übernehmen, dann kann man nicht mehr von Vereinen sprechen. Das sind dann reine Unternehmen, die die Absicht haben Gewinne zu erzielen. Entscheidend ist dann am Ende das höchste Kapital im Wettbewerb. Der Romantiker wünscht es sich natürlich, dass man sich weiterhin den Erfolg schwer erarbeiten kann. Mit so einer Aussicht wird das nicht mehr möglich sein.

Die Proteste der Fans sollte man nicht verachten. Natürlich ist es anzunehmen, dass diese neue Dimensionen annehmen werden. Ein Verein wie Borussia Mönchengladbach, der sich auch mit Glück und viel Arbeit die Teilnahme am europäischen Wettbewerb erkämpfen musste, muss nun ansehen wie man schlagartig einen neuen direkten Konkurrent bekommt. Man muss nicht für die Tradition kämpfen, um eine Ablehnung gegenüber RB Leipzig zu entwickeln.

Ich positioniere mich klar gegen das Geschäftsmodell von RB Leipzig, auch wenn es wenige positive Aspekte mitbringt. Diese können meiner Meinung nach die wirtschaftlichen Absichten jedoch nicht überdecken. Der Verein Borussia Mönchengladbach muss weiterhin unterstützt werden. Es darf Proteste gegen RB Leipzig geben, aber nur in der Form, dass man nicht dem eigenen Verein schadet.

Die größte Frage bleibt aber offen: Was bedeutet das für den Fußball und die Bundesliga? Übernehmen Unternehmen die Überhand? Ich hoffe nicht!

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