Die Vision ist zu erahnen

Trainer Dieter Hecking studiert in diesen Tagen intensiv ein neues Spielsystem ein: das 4-3-3. Damit lässt er erstmals durchblicken wohin er mit der Borussia zukünftig hin möchte. Bislang war nur in Interviews zu hören und zu lesen, dass er eine Vision habe, die er umsetzen möchte. Jetzt lässt sich zumindest erahnen welche Gedanken er schon in der vergangenen Saison hatte.

Der Fußball verändert sich

Die Bundesliga bzw. der gesamte Fußball hat sich gewandelt. Das ist vor allem an den letzten beiden großen Turnieren, der EM 2016 und der derzeitigen WM 2018 zu erkennen. Mit Frankreich, Belgien und England stehen drei Nationen im Halbfinale, die vor allem durch ihr schnelles und geradliniges Spiel bis ins Halbfinale vorgestoßen sind. Die Basis ist immer eine stabile Defensive, nicht der unbedingte Ballbesitz, um dem Spiel den eigenen Stempel aufzudrücken. Umschalt-Aktionen, Standardsituationen und Einzelaktionen sind die Erfolgsfaktoren in Russland. Dies trifft exakt auf den favorisierten Spielstil von Dieter Hecking zu, den er beim VfL Wolfsburg perfektionierte. Das damalige Herzstück war Kevin de Bruyne, der im Viertelfinale gegen Brasilien erneut vorführte was Kontern in Perfektion bedeutet.

Daher passt es irgendwie schon, dass Dieter Hecking auf ein neues Spielsystem hinarbeitet. Die Franzosen und Belgier spielen in eben diesem 4-3-3, um den Gegner früh unter Druck setzen zu können. Das Mittelfeld wird so verdichtet, dass Ballverluste vorprogrammiert sind. Den einzigen Schwachpunkt bilden die Außenverteidiger, die im schlimmsten Fall direkte Duelle gewinnen müssen. Mit entsprechender Laufarbeit können sie aber auch unterstützt werden. Es gilt im Grunde wie immer im Fußball: Organisation ist alles. Wenn die Abstimmung unter den Spielern nicht stimmt, dann ergeben sie riesige Lücken in der Verteidigung. Dann funktioniert auch das Pressing nicht, wodurch ein ganzes Spielsystem in sich zusammenfallen kann. Mit dem Ball werden dann die Flügel doppelt besetzt. In der Offensive besetzen die Mittelfeldspieler den Rückraum. Daher macht es durchaus Sinn einen echten Stürmer auf dem Platz zu haben, der Verteidiger auf sich zieht.

Die Offensive passt noch nicht

Der Kader gibt im Großen und Ganzen das her was es für dieses Spielsystem braucht. Innenverteidiger, die bei Standards gefährlich sind, als auch Außenverteidiger, die sich bei Angriffen beteiligen können. Im Mittelfeld sind Christoph Kramer und Denis Zakaria die perfekten Läufer, um die Defensive dicht zumachen. In einer offensiveren Ausrichtung kommen dann László Bénes, Florian Neuhaus oder Michael Cuisance infrage. An vorderster Front gäbe es derzeit eine etwas schwächere Auswahl. Es braucht Außenstürmer, die in ihrer Kernkompetenz in Dribblings gehen können. Im besten Fall sind sie dann noch laufstark, wie es der Mittelstürmer sein muss – man denke an Lars Stindl. Daher ist das Interesse an Niclas Füllkrug nachvollziehbar gewesen, und bei Alassane Pléa absolut verständlich. Wenn die letzten Transfers eingetütet werden sollten, dann sollte Dieter Hecking alles vorfinden, um seine Vision umsetzen zu können.

 

1 Kommentar Die Vision ist zu erahnen

  1. Christoph

    Ich hoffe sehr, dass wir in der neuen Saison die Umsetzung eines Konzeptes sehen, bisher habe ich das in der Post-Favre Zeit vermisst. Ich war zum ersten mal 1970 auf dem Bökelberg und bin zweitliga-gestählt.

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