Ergründung der Heckingschen Vision

Mit einem Rückblick auf die Arbeit von Dieter Hecking beim VfL Wolfsburg, einer Betrachtung der Spielweise der Borussia in den letzten Monaten, und möglichen Transfers im Sommer wird die Vision des Trainers ergründet. 

Welche Vision verfolgt Dieter Hecking bei der Borussia? Um diese Frage zu beantworten, wird zunächst ein Blick auf seine letzte Trainerstation geblickt. Beim VfL Wolfsburg ist vor allem die Saison um Kevin De Bruyne und dem Pokalsieg präsent. Doch wie entwickelte sich das Spiel der Wölfe danach weiter? Kurz gesagt: kaum. Experimente, wie die Umsetzung eines 3-5-2 wurden rasch wieder zu den Akten gelegt. Also blieb der Trainer weitestgehend bei seiner Grundformation, in dem heute noch praktizierenden 4-4-2 mit einem aktiven Flügelspiel.

Ein probates Mittel war es mit Flanken und Dribblings den Mittelstürmer zu erreichen, oder auch selbst abzuschließen. Am Strafraum lauerten die Sechser auf die zweiten Bälle. Im Spielaufbau waren sie dann meist nur in der Ballweiterleitung aktiv – die Außenverteidiger übernahmen den öffnenden Pass. Der VfL Wolfsburg blieb mit dieser Spielidee offensiv harmlos, und war bei Ballverlusten äußerst fragil. Am Ende fehlte eine entscheidende Weiterentwicklung, sodass Dieter Hecking entlassen wurde.

Wie lässt Dieter Hecking bei der Borussia spielen?
Als Nachfolger von André Schubert setzte er die Borussia kurzerhand auf den „Favre-Zustand“ zurück. Beim Aufbauspiel ist Ruhe eingekehrt, die Sechser nehmen dabei eine untergeordnete Rolle ein. Die Flügel werden intensiv beackert, auch weil sich die Außenverteidiger miteinschalten. Flanken und Dribblings führen jedoch selten zur erwünschten Torgefahr, auch weil kein Knipser im Strafraum wartet. Tore fallen häufig im Umschaltspiel, durch Eroberung zweiter Bälle, und Standards. Im Abwehrverhalten werden Anspielstationen zugestellt, um den Ball zurückzugewinnen. Das eigene Umschaltspiel bereitet jedoch Probleme. Wenn es jedoch ins Rollen kommt, dann ist die Fohlenelf kaum zu stoppen. Beim Umschaltspiel des Gegners wiederum offenbart die Abwehr der Fohlen größere Probleme in der Zuordnung. Damit wäre auch beantwortet wie Dieter Hecking seine Arbeit in Mönchengladbach fortgesetzt hat: es wurde tatsächlich wenig verändert.

Wie könnte seine Vision ausschauen?
Diese Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten. Der Trainer erwähnte mehrfach seine Vision, ohne sie jedoch mit Inhalt zu füllen. Dieter Hecking deutete bislang nur an, dass ihm der Kader zu sehr auf zwei spielende Stürmer ausgerichtet sei. Offenbar wünscht er sich eine echte Alternative im Sturm: einen waschechten Mittelstürmer. Max Eberl sprach ebenfalls davon einen Stürmer verpflichten zu wollen. Doch was könnte sich taktisch bzw. systemtechnisch verändern? Die Dreierkette könnte zurückkehren, die bereits in der vergangenen Sommervorbereitung ausgiebig einstudiert wurde. Eine interessante Variante, um mehr Druck ausüben zu können. Dies würde jedoch nichts an der Interpretation des eigenen Spiels ändern, und darum geht es im Kern. Die Borussia würde sich jedenfalls vom eigentlichen „Favre-Zustand“ entfernen, und sich immer mehr dem Ideal von Dieter Hecking annähern.

Auf den Kader bezogen
Die Abwehr entspricht bereits den Vorstellungen des Trainers. Das defensive Mittelfeld mit Christoph Kramer und Denis Zakaria übernimmt weniger den Spielaufbau, sondern fokussiert sich mehr auf Zweikämpfe und die Balleroberung. Die Außenverteidiger Oscar Wendt und Nico Elvedi stehen höher und unterstützen die Flügelspieler. Im Sturm werden Lars Stindl und Raffael dagegen sehr wahrscheinlich entzweit werden. Es ist davon auszugehen, dass der Brasilianer für einen neuen Mittelstürmer wird weichen müssen. Fraglich ist bislang, ob auf der offensiven Außenbahn Veränderungen anstehen. Mit Ibrahima Traoré und Thorgan Hazard hätte der Trainer genau die Spielertypen, die er favorisiert.

Abschließende Worte
Dem Anschein nach hängt vieles von der Konstellation im Sturm ab, inwiefern die Vision von Dieter Hecking umgesetzt werden kann. Es darf keine revolutionäre Idee erwartet werden, die das Spiel der Borussia grundlegend umkrempelt. Es wird viel mehr eine Anpassung des Kaders an den flügel-fokussierten Spielstil des Trainers geben. Eine Weiterentwicklung scheint demnach auszubleiben, und birgt zugleich eine Gefahr. Bereits in Wolfsburg war er aus ähnlichen Gründen gescheitert. Dieter Hecking muss eine spielbare Ballbesitz-Variante entwickeln, bzw. überhaupt Fortschritte präsentieren. Ansonsten wird er in der kommenden Saison einen schweren Stand haben.

 

2 Kommentare Ergründung der Heckingschen Vision

  1. Alex

    Hecking hatte eine Rückrunde und eine komplette Vorbereitung Zeit um sich ein Bild vom Kader und den Fähigkeiten der Spieler zu machen um wiederum daraus eine Spielidee zu entwickeln.

    Von Anbeginn der Saison 17/18 war es fussballerisch und taktisch auf niederem Niveau und das auch ohne verletzte Spieler. Selbst in vermeintlicher Bestbesetzung gab es Spiele bei denen ein wirkliches Konzept einfach nicht zu erkennen war. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir auch ohne die Problematik der vielen Verletzungen nicht viel besser abgeschnitten hätten.

    Die neue Saison mit Dieter Hecking zu starten ist mutig und vielleicht verdient er diese Chance aber der wahre Glaube an Besserung will nicht so richtig aufkommen. Es bleibt die Hoffnung und die stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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  2. Bernd Nießen

    Der Ausführung von Alex kann ich nur zustimmen. Aus meiner Sicht ist es mehr als mutig mit Dieter Hecking in die Saison zu gehen. Das Spielsystem bzw. der Matchplan ist zu berechenbar und genügt auch nicht mehr den Ansprüchen der Liga. Die Hoffnung stirbt zuletzt ist ein Strohhalm. Der ist mir aber zu dünn um nur im Ansatz zu glauben, dass das in der neuen Saison gut gehen könnte. Schade, die Chance war da, die Dinge die nicht gut gelaufen sind, mit Anstand und Klarheit zu reparieren und gemeinsam mit Fans und Mannschaft in eine hoffentlich erfolgreichere Saison zu gehen.

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