Wertvorstellungen kollidieren im Stadion

Fans der Borussia sorgen für einen Eklat, Verantwortliche der Borussia und Fan-Hilfe reagieren. Offensichtlich gibt es Uneinigkeit darüber welche Werte der Verein vertritt, wofür es nicht einmal den Zusammenhang mit Hanau bräuchte.

In der Halbzeitpause hatten sich einige Fans in Block 16 vermummt, um später ein Banner zu zeigen, auf dem Dietmar Hopp ins Fadenkreuz genommen wird. Dies sollte eine Anspielung an ein Banner der Dortmunder gewesen sein. Für dieses hatten vor kurzem BVB-Fans ein dreijährige Stadionverbot in Sinsheim erhalten. Schiedsrichter Dr. Felix Brych unterbrach daraufhin die Partie. Der Stadionsprecher appellierte mehrfach an die Fans dieses Banner zu entfernen, und stellte die Verbindung zu den rassistisch-motivierten Morden in Hanau her. Lars Stindl und Sportdirektor Max Eberl versuchten auf den Teil der Fans einzuwirken, jedoch wurde das Transparent unter Pfiffen im Stadion dann nochmals entrollt. Schließlich kam es zu lauten „Ultras raus“-Rufen.

Ein gesellschaftliches Problem

Borussia Mönchengladbach entschuldigte sich gleich nach Abpfiff der Partie bei Dietmar Hopp und der TSG Hoffenheim. Erneut, denn in der Vergangenheit hatte es bereits einige Schmähungen gegenüber dem TSG-Mehrheitseigner gegeben. Vorreiter sind und waren die nun bestraften Fans aus Dortmund. Die Vermummungen, als auch die offensichtlichen Vorkenntnisse rund um die Fadenkreuz-Grafik lassen nur einen Schluss zu: eine mögliche Grenzüberschreitung wurde billigend in Kauf genommen, unabhängig davon was kritisiert werden sollte. Letzten Endes fehlte das gewisse Fingerspitzengefühl. Noch vor Anpfiff wurde zum gegenseitigen Respekt beziehungsweise gegen Ausgrenzung und Hass in unserer Gesellschaft geschwiegen. Nach dem Gedenken der Opfer von Hanau wurde wenig später eine einzige Person ins Visier genommen. Rassismus ist gar nicht der Vorwurf. Die Verbindung mit Hanau wurde hergestellt, weil offenbar einige wenige nicht verstanden haben worum es bei der Schweigeminute grundlegend ging.

Letzten Endes ist es die Art und Weise der geäußerten Kritik, die die Mehrheit im Stadion gestört hat. Die Borussia steht für gewisse Werte, die unabhängig von der Intention der Ultras mit Füßen getreten wurden. Relativierungen sind nicht zielführend, das Banner war schlicht geschmacklos und im Gesamtkontext gesehen schlicht dumm. Die Fan-Hilfe war bemüht das PR-Desaster zu bereinigen, wo nichts mehr zu retten war. Mit dieser sollte sich die Verantwortlichen der Borussia schleunigst zusammensetzen, um zu überprüfen, ob beide Seiten das gleiche Verständnis um die Werte des Vereins haben. Gesellschaftliche Probleme machen nämlich nicht vor den Stadiontoren halt.

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