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Die Handschrift des Trainers fehlt

Bei der deutlichen 1:6-Niederlage in Dortmund wurden sämtliche Schwächen der Fohlenelf aufgezeigt. Kein Spieler auf dem Feld hat seine Leistungen gebracht, ausgenommen der Torhüter. Das Trainerteam steht in der Pflicht die Mannschaft nach nun sieben absolvierten Pflichtspielen zu stabilisieren. Ansonsten wird die Borussia dort landen, wo sie gar nicht hin möchte: im Mittelmaß.

Matthias Ginter brachte es auf den Punkt:“Bei uns haben zehn von elf Spielern nicht die Leistung gebracht, die sich eigentlich drauf haben.“ Tobias Sippel hatte einen großen Anteil daran, dass die Niederlage keine historischen Ausmaße annahm. In den Siebzigern hatten die Dortmunder mit 0:12 verloren. Der Spielplan, der von Dieter Hecking ausgegeben wurde, konnte in keinster Weise umgesetzt werden. Längere Ballbesitzphasen, ein beherztes Zweikampfhalten, als auch eine stabile Defensive waren nicht zu entdecken. Der Innenverteidiger fasst es zusammen:“Unter dem Strich hat eigentlich gar nichts geklappt.“ Die wenigen Konter wurden durch eine schwache Chancenverwertung vergeben. Das war der einzige kleine Lichtblick bei einem Kollektivversagen.

Matchplan nicht umgesetzt

Dieter Hecking hielt nach dem Schlusspfiff eine Kabinenansprache. Er erwartet eine Reaktion der Mannschaft, sie muss sich wieder aufrappeln. Borussia Dortmund war deutlich stärker, das müsse er und die Mannschaft akzeptieren. Es gelang auch wirklich gar nichts. Zeitweise ging jeder dritte Pass zu einem Dortmunder. Insgesamt wurden 60 Prozent der Zweikämpfe verloren. Knapp 20 Minuten sicher zu stehen war schlicht zu wenig. Das einzige Tor des Abends zum 1:5 durch Kapitän Lars Stindl konnte auch nicht bejubelt werden. Selbst wenn die Torlos-Serie der Dortmunder gerissen wurde. Der besorgte Fan fragt sich zurecht: wie möchte man den eigenen Ansprüchen gerecht werden? Immerhin wird von Spielern indirekt immer wieder von Europa gesprochen.

Das Besorgniserregende ist, dass die Fohlenelf bereits in Augsburg Probleme mit einem intensiven Pressing hatte. Was passiert wenn die Qualität der Gegenspieler deutlich steigt, das hat man nun in Dortmund gesehen. Selbst wenn die Zusammenhänge aus der Luft gegriffen sind, wie genau sollen die nächsten Partien bestritten werden? Die Mannschaft hat einerseits enorme Probleme gegen tiefstehende Abwehrreihen, siehe beim Heimspiel gegen Frankfurt, andererseits gegen insgesamt hochstehende Teams. Nach sieben Pflichtspielen fehlt nach wie vor eine deutliche Handschrift des Trainers, die Lösungen liefert. Für welchen Fußball steht die Borussia? Bei Lucien Favre und André Schubert war es genau zu erkennen, unabhängig vom Erfolg.

Stillstand statt Entwicklung

Die extremen Schwankungen in den Leistungen können nicht ausschließlich durch eine falsche Einstellung der Spieler erklärt werden. Es muss klare taktische Konzepte geben, die Antworten auf taktische Umstellungen des Gegners liefern. Hierbei ist Dieter Hecking in der Pflicht. Peter Bosz hatte nach knapp 20 Minuten erkannt, dass Angriffe über die Flügel zwecklos sind. Maximilian Philipp und Christian Pulisic liefen sich fest. Plötzlich wurde mit Pässen aus der Tiefe operiert. Mario Götze war mit seinem Kopfball auf Pierre-Emerick Aubameyang das Sinnbild dafür, dass Dortmund die Abwehr geknackt hatte. Ein Jannik Vestergaard kam gar nicht hinterher. In der Folge fiel der erste Gegentreffer durch Philipp. Die Verteidiger spielten im Anschluss Pässe in das Gegenpressing der Dortmunder, die eiskalt verwertet wurden. Die Gladbacher hissten die weiße Flagge, sie waren völlig überfordert.

Die wenigen gespielten Konter waren der einzige Hoffnungsschimmer in 90 Minuten, genauso wie die zwei, drei starken Halbzeiten in der bisherigen Saison. Das bei einer Mannschaft, die aus so vielen technisch hoch veranlagten Einzelspielern besteht, die sich zum Teil schon seit Jahren kennt. Die Mannschaft hat sich innerhalb eines halben Jahres kaum weiterentwickelt. Es entsteht der Eindruck, dass das Gesamtpotenzial nicht abgerufen wird. Dieter Hecking wird dem entgegentreten, und die richtige Balance finden müssen. Es braucht die passenden Ideen gegen tiefstehende und hochstehende Mannschaften. Das sollte jedoch schleunigst geschehen, denn ansonsten droht ein Abrutschen ins Mittelmaß. Besser als Platz neun, das war das ausgegebene Saisonziel von Max Eberl. Stand jetzt ist jedoch Stillstand.

Ein Kommentar

  1. S. F.

    Da hast du eine gute und treffende Spielanalyse geschrieben. Chapeau.

    Mir hat das gestern richtig Schmerzen bereitet, dem Spiel der Fohlenelf zuzusehen. Man darf meiner Meinung nach gegen eine derzeit so bestechend aufspielende Mannschaft wie Borussia Dortmund im Signal Iduna Park verlieren, aber doch nicht so!

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