Fehleinschätzungen mit Folgen – bis heute

Den Fans von Borussia Mönchengladbach wird eine ausgeprägte Leidensfähigkeit und Vereinstreue nachgesagt. Ein Rückblick auf das Jahr 2025 würde vermutlich bei jedem Therapeuten im Gespräch zu dem Schluss führen, dass die zurückliegenden Monate tiefe Spuren hinterlassen haben. Im Sinne der Borussia-Hymne „Die Seele brennt“ soll noch ein Blick zurückgeworfen, aber auch wieder mit voller Kraft nach vorne gedacht werden.

In Anbetracht der darauffolgenden Geschehnisse, ist es kaum zu glauben, dass im Frühjahr des vergangenen Jahres die Vertragsverlängerung mit Roland Virkus bekanntgegeben wurde. Aufsichtsrat und Präsidium waren mit der Entwicklung der Mannschaft zufrieden. Später wurde sogar dem Trainer ein neuer Vertrag in Aussicht gestellt. Rückblickend hat es auch vereinsintern Zweifel darangegeben, ob hier richtig gehandelt wurde. Denn erst Monate zuvor stand Gerardo Seoane stark unter Druck, konnte seinen Posten aber mit einer Erfolgsserie noch retten. Auch damals hätte Eugen Polanski bereitgestanden.

Eine folgenschwere Fehleinschätzung in der Sommerpause

Es folgte eine Sieglos-Serie bis in die Sommerpause hinein, durch die die sicher geglaubte Chance auf die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb verspielt wurde. Viel mehr noch: Die gesteckten Saisonziele wurden wieder einmal verpasst. Konsequenzen wurden keine gezogen, sondern auf das wenige positive verwiesen, das in der zurückliegenden Saison erreicht wurde. Ein festes Grundgerüst wurde herbeifantasiert und oberflächliche Statistiken angeführt, um eine Entwicklung in die richtige Richtung festzustellen. Bei der Mitgliederversammlung war die Rede von „weniger Gegentreffern“ und „mehr erreichten Punkten“ die Rede, wohl gemerkt im Vergleich zu einer historisch schwachen Vorsaison.

So zieht sich das nahezu durch das gesamte Jahr, dass ein höchstprofessionelles Cherry Picking stattfindet, um sich mit legitimer Kritik gar nicht erst auseinandersetzen zu müssen. So musste zwangsläufig der Eindruck entstehen, dass sich Borussia zu jederzeit auf dem richtigen Weg gesehen haben muss. Bis sich plötzlich herausstellte, dass der Negativlauf in der neuen Saison nicht gestoppt werden konnte. Nach einer niederschmetternden 0:4-Heimniederlage gegen Werder Bremen wurde Seoane entlassen und Eugen Polanski als eine Art Übergangslösung vorgestellt. Nach einer blamablen Leistung gegen Eintracht Frankfurt und der darauffolgenden Kritik in Richtung des Sportmanagements wurde schließlich auch der Rücktritt von Virkus bekanntgegeben. Innerhalb weniger Wochen und früh in der Saison wurde alles über den Haufen geworfen, was über die Jahre vermeintlich aufgebaut wurde.

Die Chance ergriffen, aber noch nicht gerettet

Polanski gelang es mit der Mannschaft unter den Augen des neuen Geschäftsführers Rouven Schröder, sich wieder die Chance auf den Klassenerhalt zu erarbeiten. Die Ansprache nach innen und außen hat sich verändert. Sie wurde seriöser und klarer. Doch obwohl sich Borussia seit dem achten Spieltag nach der Niederlage gegen den FC Bayern vom Tabellenletzten zwischen Platz 10 und 12 stabilisiert hat, wird deutlich, wie schwach der Kader trotz Sparmaßnahmen zusammengestellt wurde. Die vergangenen Wochen zeigen, wie wenig Qualität für die erste Liga vorhanden ist, vor allem, wenn essentielle Spieler seit Monaten fehlen. Das wirft seitdem Fragen auf. Im vergangenen Sommer wurden Transferentscheidungen gefällt, die entgegen der Ankündigungen nicht das eingehalten haben, was versprochen wurde. Der Etat wurde zwar reduziert, das hilft jedoch wenig, wenn Millionenablösen in Spieler investiert werden, die aufgrund ihrer Verletzungsanfälligkeit kaum spielen oder maximal das Format für einen Zweitligisten mitbringen.

Borussia hat vier Stürmer unter Vertrag, von denen zwei allein zusammen 15 Millionen Euro gekostet haben. Ein weiterer kam für schätzungsweise elf Millionen Euro, spielt aktuell aber in Glasgow. Tabakovic soll der TSG Hoffenheim wiederum fünf Millionen Euro wert sein. Dass trotz des langfristigen Ausfalls von Kleindienst bei diesen Investitionen von keinem Überangebot die Rede ist, sondern mindestens einer davon bereits als Transferflop gilt, zeigt wie viele schlechte Entscheidungen getroffen wurden. Die vergangenen Jahre lassen sich nicht einfach so korrigieren, denn die finanziellen Auswirkungen spürt der Verein bereits heute, die ihn weitestgehend handlungsunfähig machen. Nach einem solchen Jahr kann nur eines die Marschrichtung nur lauten: Klassenerhalt schaffen und neu aufstellen. Allein dieses Ziel zu erreichen, wird herausfordernd genug.

3 Kommentare Fehleinschätzungen mit Folgen – bis heute

  1. Günter

    Lieber Jonas, du hast ja recht. Es wurden viele Fehler gemacht. Jetzt, am Deadline Day wurde aber noch so einiges bewegt. Rouven scheint der richtige Mann zu sein.
    Zu deiner Personenbeschreibung schreibst du, du kennst alle Höhen und Tiefen.Naja, nicht so ganz. Die wirklichen Höhen hast du nicht erlebt. Ich gehöre zu den älteren Semestern, die alle Meisterschaften erlebt haben. Und ich habe noch einen großen Wunsch: Nochmal eine Meisterschaft miterleben. Aber das sind wohl unrealistische Wunschträume🤔. Ich wünsche dir viel Erfolg mit deiner Website. Und wir hoffen auf eine bessere Zukunft für den Verein unser aller Herzen!

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  2. Michael Nostadt

    ich finde die größte Fehleinschätzung ist dein Kommentar . Ich bin seit 58 Jahren Borussia Fan und habe alle guten und auch die schlechten Zeiten hautnah miterlebt . Kritik ist gut und muß auch sein, geht mir aber oft viel zu weit , in Bereiche die man erst bewerten kann wenn getan . Das Hnterher zu bewerten halte ich für Klugscheisserrei und die positiven Dinge kommen viel zu kurz.

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  3. Jörg

    Tja, leider keine gewinnbringende neue Erkenntnis. Nur aufgewärmtes Gejammere über alte Versäumnisse. Wo ist das „so what?“
    Sorry für die harte Kritik. Aber das ist alles bereits bekannt.
    Es wurde schon alles gesagt – nur noch nicht von mir?
    Besteht das ganze Leben nicht aus „Try & Error“? Wäre das Ganze mit Seone und Virkus gut gegangen, würden wir uns heute alle auf die Schultern klopfen.
    Ich stelle mir vielmehr die Frage, wie wir in 3, 6 oder 9 Monaten über Polanski und Schröder sprechen werden….?
    Erste Kritik an Polanski kommt bereits hoch.
    Aktuell frage ich mich: Was soll das?“
    Ich möchte kene General-Vollmacht für die Mannschaft ausstellen. Aber wir (die Fans) täten alle gut daran, die Verantwortlichen mal in Ruhe arbeiten zu lassen.
    In einer Sache bin ich mir absolut sicher: Weder ein Seone, noch ein Virkus und auch aktuell kein Polanski, kein Schröder verweigern absichtlich die Arbeit und Kauf(t)en/Verkauf(t)en wider guten Wissens Spieler und auch keinem der aktuellen Spieler traue ich zu, dass einer dieser absichtlich Fehlpässe spielt.
    Ja, sie alle verdienen Schweine-Geld (sorry für mein Französisch). Aber glaubt wirklich irgendjemand, dass die sich nicht den Arsch aufreißen? Für keinen der Spieler ist es ein Fest, sich nach einer schwachen Leistung vor die Kurve zu stellen oder sich in den Medien mit 5er oder 6er Noten zu beschäftigen, sich zu Hause fragen zu lassen, warum er nicht den einen Schritt noch gemacht hat.
    Wir sollten uns alle mal hinterfragen, was wir mit unserem eigenen Geltungsbedürfnis in social media, podcasts or you name it zu dieser Entwicklung eigentlich beitragen…..!!!!
    Sorry, wenn ich mich nun in Rage geschrieben habe. War ursprünglich nicht meine Absicht. Ich drücke dennoch auf „senden“. Aber vielleicht sollten wir den „Sende-Button“ das ein oder andere Mal einfach nicht drücken……
    Danke!
    Ende!
    Jörg

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