Eine Zwischenbilanz

Nach knapp einem Drittel der Saison bzw. elf Bundesligaspielen kann eine erste Bilanz gezogen werden. Was hat sich im Vergleich zur Vorsaison getan, und wurden die Versprechen eingelöst, die mit dem Trainerwechsel gemacht wurden?

1. Borussia kann auf einmal Kampf

Marco Rose sollte einen neuen Ansatz mitbringen und der Mannschaft vermitteln. Sportdirektor Max Eberl hob dies bei der Vorstellung des neuen Trainers hervor, wieso er sich für einen Trainerwechsel entschieden hatte. Nach knapp zwei Monaten der Kennenlernzeit ist zu erkennen was damit gemeint war. Die Borussia gehört inzwischen zu den Mannschaften mit den meisten gewonnen Zweikämpfen, und überzeugt mit einem unbändigen Siegeswillen. Aufgeben? Das gibt es nicht mehr. Spiele werden inzwischen in der Nachspielzeit für sich entschieden. Es ist dieser aktive Fußball, der den Umschwung vom Ballbesitz-Fußball unter Dieter Hecking zum Pressing-Fußball á la RB sichtbar macht. Der häufig von Fans geforderte Kampf ist seit dieser Saison erlebbar gemacht worden, zusätzlich zur fußballerischen Qualität.

2. Leistungssprünge einzelner

Zunächst einmal: die Mannschaft hat insgesamt einen Sprung nach vorne gemacht. Trotzdem befinden sich einzelne Spieler in einer Top-Verfassung, die noch einmal herausstechen. Denis Zakaria, Marcus Thuram, Yann Sommer, László Bénes, Nico Elvedi, um nur einige Namen zu nennen. Sie alle gehen mit starken Leistungen in dieser frühen Saison voran. Es ist im Grunde genommen unerheblich wie lange sie schon im Verein spielen. Irgendwie gelingt es Marco Rose das Maximum aus jedem einzelnen herauszukitzeln. Spieler entwickeln sich wieder deutlich weiter, ein Unterschied zu den vergangenen Jahren. Das macht sie auch für Top-Clubs im In- und Ausland interessant.

3. Taktische Flexibilität ohne zu überfordern

Es ist schon erstaunlich wie die Mannschaft zwischen den einzelnen Formationen hin und her wechseln kann. Abstimmungsprobleme sind auf dem Platz gar nicht erkennbar. André Schubert hatte seine Spieler damit überfordert, Dieter Hecking hielt während einer Saison an seinem Grundgerüst fest. In Leverkusen soll Marco Rose seine Mannschaft auf mehrere Formationen des Gegners vorbereitet haben. Nach einem kurzen Signal von der Seitenlinie aus wurden diese dann umgesetzt. Die Dreierkette funktioniert inzwischen unter schwierigsten Bedingungen, während sie in der Vergangenheit immer wieder im Spiel gescheitert war. Dabei ist es völlig unerheblich wer auf welcher Position eingesetzt wird. Denis Zakaria hat beispielsweise schon alles zwischen Innenverteidigung und zentralem Mittelfeld gespielt.

4. Einsatzzeiten für alle

Auf der linken Abwehrseite wechseln sich Ramy Bensebaini und Oscar Wendt ab. In der Innenverteidigung kam praktisch schon jeder zum Einsatz, der diese Rolle bekleiden kann. Im Mittelfeld wird munter durchgetauscht, im Angriff hat Marco Rose sowieso eine große Auswahl. Marcus Thuram, Alassane Plea, Breel Embolo und Patrick Herrmann kommen jeweils auf mindestens drei Treffer. Es kommt wirklich jeder zum Zug, ganz im Gegenteil zur Hinrunde der vergangenen Saison. Dieter Hecking setzte im Erfolg auf eine eingespielte Startelf, sodass einige Profis im Kader kaum auf Einsatzzeiten kamen. Als sie dann gebraucht wurden, waren die Leistungen eher überschaubar. Mit der Rotation unter Marco Rose dagegen scheint der Erfolg der Borussia gefördert zu werden.

5. Die Verletzungssorgen kehren zurück

Die Borussia hatte nach der Horror-Rückrunde mit vielen Verletzten reagiert, und es schien sich auch zu bessern. Mit Marco Rose an der Seitenlinie mehren sich die Muskelverletzungen wieder mehr. Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Borussia nach langer Zeit wieder in drei Wettbewerben vertreten ist. Es sind aber auch Ausfälle dabei, bei denen der Spieler durch Fremdeinwirkung auf dem Spielfeld zu längeren Pausen gezwungen wurde. Hierbei kann keinem im Verein eine Schuld gegeben werden. Klar bleibt dennoch, dass es zwischen dem neuen Trainer- und dem Ärzteteam noch Abstimmungsbedarf gibt. Der sportliche Erfolg sollte nicht so aufs Spiel gesetzt werden.

6. Manch einer nennt es Mentalität

Marco Rose wird es nicht leugnen. Jürgen Klopp hat großen Einfluss darauf genommen wie er seine Arbeit als Trainer versteht. Die emotionalen Explosionen am Spielfeldrand, die sachlichen und gewitzten Analysen nach und vor den Spielen, der gute Draht zu seiner Mannschaft und auch der umgesetzte Fußball erinnern an den Liverpool-Coach. Innerhalb des Team scheint es derzeit einfach zu stimmen. Es wirkt nicht nur so, sondern es ist wirklich eine Einheit auf dem Platz zu sehen. Zahlreiche Torjubel in dieser Saison untermauern dieses Bild. Beispielsweise als Breel Embolo in Mainz nach langer Leidenszeit zum Endstand traf, lief die gesamte Bank zu ihm hin. Es ist Leben drin, und das wirkt wirklich glaubhaft. Diese Leichtigkeit, die alleine ein Marcus Thuram mit seiner Fahnen-Aktion mitbringt, die hat in der letzten Saison häufig gefehlt.

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