Am Ende bleibt der Borussia nur eines: Hoffnung

Nach einer Übergangssaison folgte im Sommer ein Umbruch, um Borussia wieder zu stabilisieren. In mehr als zwei Jahren ist es Roland Virkus nicht gelungen, die Trendwende einzuleiten. Im Gegenteil: Der Verein befindet sich mittlerweile im Abstiegskampf. Was die Verantwortlichen bei Borussia zuversichtlich stimmt, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist, bleibt ein Rätsel. Sofern das Minimalziel erreicht werden kann, sollen nun gezielte Transfers den sportlichen Erfolg zurückbringen. Das kann angesichts der aktuellen Situation als letzter Hoffnungsschimmer bezeichnet werden, denn eine nachhaltige Strategie ist nach all der Zeit nicht erkennbar.

Vor rund einem Jahr konnte Roland Virkus erstmals auf eine vollständige Saison in seiner Verantwortung zurückblicken. Auf der damaligen Mitgliederversammlung erläuterte er konkret, was er sich unter dem Borussia-Weg vorstellt und welche fußballerische Identität unter dem damaligen Trainer Daniel Farke entwickelt werden soll. Ein dominanter, technisch starker und resilienter Fußball wird nicht mehr thematisiert, inzwischen heißt es wenig konkret, dass unter Gerardo Seoane ein fußballerischer Ansatz mit Mentalität angestrebt wird. Das Ergebnis dieses Zickzack-Kurses: Borussia spielt mitunter den uninspiriertesten Fußball der Bundesliga, weil der Kader auf die jeweilige Spielidee des Trainers zugeschnitten wurde.

Zickzack-Kurs bei der Trainerwahl

Eine weitere Problematik knüpft direkt an den zuvor genannten Punkt an, denn unter dieser Voraussetzung ist es eine Herausforderung, eine Hierarchie zu entwickeln. Julian Weigl geht selten voran, sondern bringt die Mannschaft eher durch eigene Fehler ins Hintertreffen. Ob er unter dem neuen Trainer unterschrieben hätte, ist ebenso fraglich wie bei Christoph Kramer. Beide waren wohl die gefragtesten Spieler unter Farke. Florian Neuhaus ist in dieser Saison mehr mit sich selbst beschäftigt, als regelmäßig auf dem Platz zu stehen und mit guten Leistungen voranzugehen. Kapitän Jonas Omlin fehlte lange verletzungsbedingt. Max Wöber wird den Verein voraussichtlich im Sommer verlassen, da die Ablöseforderung von Leeds United zu hoch ist. Warum Ko Itakura ein Führungsspieler sein soll, bleibt allein schon wegen der Sprachbarriere fraglich. Die Vereinslegenden Tony Jantschke und Patrick Herrmann werden ihre Karriere beenden.

Eine anders wahrgenommene Realität

Eigene Talente wie Rocco Reitz können unter diesen Bedingungen nur schwer integriert werden. Dazu braucht es eine funktionierende Teamchemie auf und neben dem Platz. Ansonsten fällt es in dieser Saison schwer, weitere Namen von jungen Spielern zu nennen, die sich in der Bundesliga durchgesetzt haben. Fabio Chiarodia, der zuletzt gegen Union Berlin in der Startelf stand, wäre noch zu nennen. Alle anderen Talente kamen in dieser Saison höchstens zu Kurzeinsätzen. Wer sich in Zukunft aus dem eigenen Nachwuchs in der Bundesliga durchsetzen wird, kann nicht seriös beantwortet werden. Es gibt durchaus Hoffnungsträger, aber die Betonung liegt hier auf Hoffnung. Die meisten werden wohl noch ein, zwei Jahre brauchen, um überhaupt ernsthaft für den Profikader in Frage zu kommen. Es ist dennoch eine richtige Entscheidung, dem Fohlenstall wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, aber es ist eben auch keine kurzfristige Hilfe.

Aus diesem Grund soll die sportliche Stabilität – ein Ziel, das in dieser Saison nicht erreicht werden konnte – durch gezielte Transfers im Sommer endlich erlangt werden. Im dritten Anlauf soll gelingen, was zuletzt wiederholt verfehlt wurde. Die Kurve zeigt deutlich nach unten, doch im Verein kommt niemand auf die Idee, Kritik zu äußern, vielmehr wird den Verantwortlichen demonstrativ der Rücken gestärkt. Ausreden, die keine sein sollen, werden akzeptiert. Die Borussia punktet historisch schlecht, der direkte Abstieg wird durch schwache Darmstädter und finanziell gebeutelte Kölner verhindert. Es ist fast grotesk, dass aufgrund der Schwäche der Konkurrenz die erst spät formulierten und wenig ambitionierten Ziele nach unten korrigiert werden mussten. Inzwischen geht es nur noch darum, den Relegationsplatz zu vermeiden. Derweil sieht Roland Virkus das Ausscheiden im Viertelfinale des DFB-Pokals als einzigen Grund, dass alles in Frage gestellt wird. Seine geäußerten Worte im Sportbuzzer-Interview und die Realität, mit der sich Borussia konfrontiert sieht, könnten nicht weiter auseinander liegen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Der von Borussia eingeschlagene Weg wird vereinsintern als alternativlos angesehen. Aufgrund von Fehlern in der Vergangenheit, die es zweifelsohne gegeben hat, ist Borussia heute noch damit konfrontiert. Und das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben, unabhängig davon, wohin sich der Verein entwickelt. Mittlerweile haben alle Spieler des Kaders unter den Augen von Virkus neue Verträge unterzeichnet. Dabei wurden auch einige wichtige Entscheidungen getroffen, ohne die es wichtige Transfereinnahmen wohl nicht gegeben hätte. Unabhängig davon stellt sich der Verein nach außen ärmer dar, als er tatsächlich ist. Für Nathan Ngoumou, Tomas Cvancara und Franck Honorat war man bereit, jeweils mindestens acht Millionen Euro zu zahlen. Die Borussia geht mit einzelnen Verpflichtungen ein hohes Risiko ein, anstatt den Kader in der Breite zu stärken. Kaum ein anderer Verein im unteren Tabellendrittel kann solche Investitionen tätigen, wie es Borussia zuletzt getan hat. Dennoch kann sich der Verein nicht von anderen absetzen, die über einen wesentlich geringeren Etat verfügen.

Bleibt die Frage: Was macht Hoffnung, dass Borussia noch die Trendwende schafft? Der Trainer erhält Rückendeckung, obwohl entscheidende Ziele verfehlt wurden. Ausreden wie zahlreiche Ausfälle und ein unfertiger Kader scheinen auszureichen, um über die Rückschritte hinwegzusehen. Die Abwehr konnte nicht stabilisiert werden und von einer ruhigen Saison kann schon lange keine Rede mehr sein. Auf welcher Basis soll etwas Nachhaltiges entstehen? Fast absurd mutet es an, dass der VfB Stuttgart als Vorbild genannt wird. Eine ähnliche Entwicklung ist in Mönchengladbach nicht einmal zu erahnen. Roland Virkus kann den Verein weiter nach seinen Vorstellungen strategisch ausrichten, nur müssen diese irgendwann auch erkennbar sein. Der kommende Transfersommer wird wohl seine letzte Chance sein, Borussia wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Es gibt nur kaum ausreichende Anzeichen dafür, dass ihm das gelingen wird. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Denn das scheint das einzige Prinzip zu sein, das sich durch die letzten Jahre zieht.

2 Kommentare Am Ende bleibt der Borussia nur eines: Hoffnung

  1. Michael Wahrheit

    Schade, dass du einem Fan aus der Seele schreibst. Borusse seit 72, also auch die schönen Zeiten als kleiner Junge erlebt.
    Ich sehe, genau wie du aktuell keine Richtung, keine Idee, nur schönreden. Aber was ist die Quintessenz…..

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  2. André

    Amen! Wobei ich nicht glaube, dass das die letzte Chance für Virkus wird – wer sollte ihn denn entlassen? Dazu müsste der Vorstand a) Präsenz und b) cojones zeigen. Das sehe ich aber beides nicht. Und mit dem Bild, das ich von ihm inzwischen habe, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er von sich aus geht.

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